Wirtschaft : Metaller verhandeln wieder

Gewerkschaften und Arbeitgeber bewegen sich im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie aufeinander zu. Am Mittwoch wollen sie an den Verhandlungstisch zurückkehren. Das habe ein Sondierungsgespräch zwischen dem baden-württembergischen IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber und dem Südwestmetall-Vorsitzenden Otmar Zwiebelhofer am Montagabend ergeben, teilte die Gewerkschaft mit. Bundeskanzler Gerhard Schröder warb für eine rasche Verhandlungslösung.

Huber und Zwiebelhofer hatten sich am Abend zu einem zweieinhalbstündigen Vier-Augen-Gespräch in Stuttgart getroffen. Ob der Arbeitgebervertreter dabei ein neues Angebot vorgelegt hat, blieb zunächst offen. Die Verhandlungen sollen am Mittwoch um 10 Uhr beginnen, der genaue Ort steht noch nicht fest. Die Streiks würden jedoch so lange fortgesetzt, bis ein Verhandlungsergebnis vorliege, teilten die Gewerkschaften mit.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hatten das Gespräch begrüßt. "Der Streik wird nicht von allein zu Ende gehen", sagte Zwickel. Ein deutlich verbessertes Angebot der Arbeitgeber sei für eine Verhandlungslösung jedoch Voraussetzung. Kannegiesser zeigte sich optimistisch: "Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht ein Modell finden, das für beide Seiten noch gerade erträglich ist."

Während sich die Tarifparteien im Südwesten um eine Entspannung bemühten, gingen sie in Berlin und Brandenburg auf Konfrontationskurs: Rund 4500 Beschäftigte legten nach Gewerkschaftsangaben für einen Tag die Arbeit nieder. Der erste Streiktag in der Region sei erwartungsgemäß gut gelaufen, sagte IG-Metall-Bezirkschef Hasso Düvel. Für die Region ist dies der erste Metaller-Streik seit 70 Jahren.

Den Auftakt machten die Beschäftigten des Autokonzerns Daimler-Chrysler im Werk Marienfelde. Am Dienstag sollen die Aktionen in anderen Betrieben - unter anderem bei BMW und Siemens in Berlin sowie bei MTU und Heidelberger Druck in Brandenburg - fortgesetzt werden. Nach Planungen der Gewerkschaft werden bis einschließlich Freitag 10 000 Metaller 25 Betriebe für einen Tag bestreiken. Der Chef des Berliner Metall-Arbeitgeberverbandes VME, Hartmann Kleiner, warf der IG Metall vor, das Tarifgebiet "in Geiselhaft zu nehmen".

Die Arbeitgeber bieten für die bundesweit 3,6 Millionen Metaller bislang 3,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Einmalzahlung von 190 Euro. Die IG Metall war nach dem Scheitern der Verhandlungen Mitte April zu ihrer Forderung von 6,5 Prozent zurückgekehrt. Ziel ist eine Vier vor dem Komma. Zudem will die IG Metall die Angleichung der Ost-Tarife an das Westniveau vorantreiben.

IG-Metall-Vize Jürgen Peters drohte den Arbeitgebern in Berlin mit einem wochenlangen Konflikt. "Wir haben einen langen Atem", sagte Peters. Gespräche hätten nur dann einen Sinn, wenn die Arbeitgeber ein besseres Angebot vorlegten. Zugleich warnte er die andere Seite vor Aussperrungen. "Wer aussperrt, der will den Flächenbrand", sagte Peters. Er wies Vorwürfe zurück, der Streik gefährde den Wirtschaftsaufschwung. "Das ist Unsinn. Im Gegenteil: Wir streiken den Aufschwung herbei."

Die Bundesregierung bekräftigte ihr Interesse an einem schnellen Ende des Streiks. Kanzler Schröder hoffe, dass die Tarifparteien schnell ein Ergebnis fänden, das sowohl den Bedürfnissen der Wirtschaft als auch der Arbeitnehmer gerecht werde, sagte Regierungssprecher Bela Anda.

Unterdessen findet in Berlin an diesem Dienstag die erste Schlichtungsrunde für das Bauhauptgewerbe statt. In Hamburg begannen am Montag die Tarifverhandlungen für die 220 000 Beschäftigten der Versicherungsbranche. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht mit Forderungen im Gesamtvolumen von 6,5 Prozent in die Gespräche. Im Tarifkonflikt des Einzelhandels haben die Arbeitgeber am Montag Einkommensverbesserungen in Höhe von 1,7 Prozent angeboten.

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