Wirtschaft : Metallgesellschaft strukturiert grundlegend um

FRANKFURT (MAIN) (ro/HB).Fünf Jahre nach ihrer Beinahe-Pleite wird die Frankfurter Metallgesellschaft (MG) grundlegend umgebaut.Noch in diesem Jahr will das Unternehmen mit dem Bochumern Anlagenbauer GEA AG fusionieren.Die MG-Tochter Lurgi und die GEA sollen gemeinsam zu einem der weltweit führenden Anlagenbauer werden."Mit diesem Schritt ist ein weiterer Quantensprung erreichbar", verspricht MG-Vorstandschef Kajo Neukirchen.Gleichzeitig will die MG den Metallhandel und die Gebäudetechnik verkaufen.

Faktisch ist die Verschmelzung allerdings eine Übernahme: Denn für 75 Prozent der Anteile wird die MG den GEA-Aktionären rund 20 Mill.MG-Aktien überschreiben und zusätzlich einen dreistelligen Millionenbetrag in bar zahlen.Über Details habe man allerdings Stillschweigen vereinbart, meinte MG-Chef Neukirchen am Montag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt (Main).GEA gilt als eine Perle in der Branche und gehörte bisher mehrheitlich der Familie Happel.

Damit wird die MG künftig unter der Holding nur noch aus zwei statt wie bisher aus vier Teilkonzernen bestehen."Damit wird die strategische Transformation des MG-Konzerns vom rohstofforientierten Konglomerat zum innovativen Technologiekonzern weitergeführt", betonte Neukirchen.Er sieht nur darin eine Chance, die Metallgesellschaft an die Weltspitze zu führen und noch profitabler zu machen.Rund 100 Mill.DM zusätzlichen Gewinn pro Jahr verspricht er sich durch die Stärkung des Anlagenbaus.

Die GEA wird künftig gemeinsam mit der Lurgi die mg engineering bilden.Neukirchen betrachtet das Unternehmen als ideale Ergänzung für den MG-Anlagenbau: Während sich Lurgi vor allem um die generelle Konzeption im Anlagenbau kümmert, liefert GEA wichtige Komponenten, wie etwa Spezialmaschinen oder Prozeßanlagen.Die GEA erreichte 1998 mit weltweit rund 16 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,75 Mrd.DM.Die Lurgi erwirtschaftete im Geschäftsjahr 1997/98 (30.September) mit rund 7000 Beschäftigten einen Umsatz von 4,87 Mrd.DM, ein Plus von 24 Prozent.Der Gewinn vor Steuern sank um sieben Prozent auf 186 Mill.DM.Die neue Anlagenbau-Sparte der Metallgesellschaft soll künftig rund zehn Mrd.DM umsetzen.Die Aktionäre der GEA und MG müssen dem Kauf in zwei außerordentlichen Hauptversammlungen noch zustimmen.Auch das Plazet der Kartellbehörden steht noch aus.

Wann sich die Metallgesellschaft von ihren Aktivitäten im Metallhandel - die mg trade services - und in der Gebäudetechnik - mg building systems - trennt, ist nach Angaben von Neukirchen noch offen.Es gebe zwar Interessenten, aber noch keine tiefergehenden Gespräche.Im Metallhandel setzte die MG 1997/98 (30.September) rund 11,4 Mrd.DM um, der Gewinn verdoppelte sich auf 45 Mill.DM.Trotz des Rekordergebnisses will Neukirchen diesen Bereich abstoßen, weil ihn die Börse als zu schwankend betrachte und deshalb die Aktie der MG mit einem deutlichen Abschlag bewerte.Am Montag kletterte der Kurs der MG-Aktie um über 14 Prozent, das GEA-Papier legte um über zehn Prozent zu.

In der Gebäudetechnik wurden 1997/98 knapp 700 Mill.DM umgesetzt, der Gewinn lag bei 18 Mill.DM, rund 2150 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.Nach Ansicht von Neukirchen ist die Gebäudetechnik aus eigener Kraft in absehbarer Zeit nicht in der Lage eine "kritische" Größe zu erreichen.Schließlich will die MG das Tochter-Unternehmen CeramTec mit bis zu 49 Prozent an die Börse bringen.

Nach dem Umbau wird die MG einen Umsatz von 21,4 Mrd.DM wie im vergangenen Jahr erst wieder im Jahr 2001 erreichen.Dann soll sie allerdings noch profitabler sein als im abgelaufenen Geschäftsjahr.Da erreichte die Metallgesellschaft mit einem Gewinn von 303 Mill.DM - ein Plus von 28 Prozent - ein neues Rekordergebnis.Die Dividende soll deshalb von 20 auf 40 Pfennig angehoben werden.Die Zahl der Mitarbeiter kletterte um 1200 auf rund 26 200.

Auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 1998/99 konnte die MG zulegen: Der Umsatz stieg nach Angaben von Neukirchen um 1,4 Prozent auf 4,2 Mrd.DM, das Ergebnis vor Steuern um knapp zehn Prozent auf 49 Mill.DM.Diesen Zuwachs peilt Neukirchen auch für das gesamte Geschäftsjahr an.

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