Wirtschaft : Metallgesellschaft trotzt der Krise

ROLF OBERTREIS

SEVILLA .Die vor knapp fünf Jahren noch von einer existenzgefährdende Krise bedrohte Metallgesellschaft (mg) steht heute auf soliden Fundamenten.Auch die Krisen in Rußland und Asien hat das Traditionsunternehmen offenbar bislang ohne größere Blessuren überstanden.Trotz der Turbulenzen stieg das Konzern-Ergebnis im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 1997/98 bei einem Umsatz von 21 Mrd.DM um mehr als zehn Prozent."Unsere Aktionäre können mit einer höheren Dividende rechnen," bekräftigte Vorstandschef Kajo Neukirchen jetzt im spanischen Sevilla.Im Geschäftsjahr 1996/97 hatte die Metallgesellschaft, die Ende 1993 nur knapp an der Pleite vorbeigeschlittert war, bei einem Umsatz von 18,2 Mrd.DM einen Gewinn von 236 Mill.DM erzielt.Wegen des Verlustvortrages aus der Krisenzeit mußte die Dividende auf 20 Pfennig je Aktie begrenzt werden.Für das Geschäftsjahr 1997/98 fällt diese Beschränkung erstmals weg.Beobachter rechnen mit einer Ausschüttung von einer DM pro Aktie.

Starke negative Folgen der Krise hat man nach Angaben von Neukirchen durch konsequentes Risikomanagement verhindern können.Bereits im Juni 1997 sei das Engagement in einzelnen Ländern deutlich zurückgefahren worden.Die Krise der Weltwirtschaft bekommt vor allem der Anlagenbau zu spüren."Die Region Südostasien ist derzeit für uns tot", sagt Heinrich-Werner Mathes, Vorstandschef der Anlagenbau-Tochter Lurgi.Ein Vertrag über eine Fertigungsanlage in Indonesien mit einem Volumen von 500 Mill.DM wurde zurückgestellt.Allerdings konnte die Lurgi bislang Einbußen in Asien durch neue Aufträge in Europa und in Amerika ausgleichen.In Deutschland gab es im vergangenen Geschäftsjahr ein Auftragsplus von knapp 40 Prozent, im übrigen Europa von 22 und in Amerika von 18 Prozent.Insgesamt holte Lurgi Aufträge im Wert von 4,4 Mrd.DM herein, nach 4,3 Mrd.DM im Vorjahr.Darunter befindet sich auch die weltweit erste Recycling-Anlage für Teppichböden in Brandenburg.Für das laufende Jahr rechnet Mathes mit neuen Aufträgen mit einem Volumen von mindestens 3,2 Mrd.DM.

Die Metallgesellschaft wird trotz der Krise am Ausbau seiner Auslandsaktivitäten festhalten."Die mg hegt derzeit keine Rückzugsüberlegungen", betont Neukirchen.Etwa drei Viertel seines Umsatzes erzielt der Konzern im Ausland, in zwei Jahren sollen es bei einem Umsatz von 24 Mrd.DM rund 80 Prozent sein.Die größte Wachstumsdynamik erwartet der mg-Chef in den USA.Mit dem Erwerb der Anlagenbauer PSI und Cyprus Foote, dem größten Kauf seit sieben Jahren, habe die Metallgesellschaft ihre Position entscheidend gestärkt.Beide Firmen sollen vor allem den Bau von Anlagen für die Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen auf Trab bringen.

Insgesamt rechnet Neukirchen im Geschäftsjahr 1998/99 trotz der unsicheren Lage wieder mit einer zweistelligen Ergebnisverbesserung.Der schwache Dollar bereitet den mg- Managern dabei zwar zunehmend Kopfzerbrechen, weil er vor allem im Anlagenbau der US-Konkurrenz Vorteile bringt.Neukirchen hält aber einen noch viel stärkeren Rückgang für verkraftbar."Wir haben auch einen Kurs von 1,35 DM überlebt." Zumal wenn der Konzern so gute Arbeit leistet wie im spanischen Huelva.Dort wurde die Kapazität der Kupferhütte der kanadisch-spanischen Atlantic Copper, die zu den zehn größten der Welt gehört, in nur 19 Monaten bei laufender Produktion von der Lurgi um 80 Prozent erhöht.Auch wegen dieser Leistungsfähigkeit hält Neukirchen die mg-Aktie für unterbewertet.Bei einem Kurs von gut 23 DM ist die mg den Börsianern momentan rund 3,1 Mrd.DM wert."Fair wären etwa sechs Milliarden", glaubt der mg-Chef.

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