Wirtschaft : Metallindustrie: 200 000 Arbeitsplätze sind gefährdet

Arbeitgeberschef Kannegiesser will flexible Arbeitszeiten

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Frankfurt/Main (dpa). Der deutschen Metall- und Elektroindustrie steht nach Ansicht der Arbeitgeber wegen der weiterhin schwachen Konjunktur ein gewaltiger Stellenabbau bevor. Rund 200 000 Arbeitsplätze seien gefährdet, sagt der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zugleich sprach sich Kannegiesser für mehr tarifliche Differenzierung aus.

Die Produktion der Branche sei Ende Juli gemessen am Vorjahr um fünf Prozent gesunken, sagte der Verbandspräsident. Bei einem Produktivitätszuwachs von drei Prozent könne die Beschäftigung also rein rechnerisch um acht Prozent niedriger sein. Bisher hätten die Unternehmen ihre Belegschaften aber erst um 2,2 Prozent verringert, rund sechs Prozent der Arbeitnehmer seien damit nicht ausgelastet, erläutert Kannegiesser. „Der jüngste Tarifabschluss hat die Finanzierung dieser Arbeitsplätze erheblich erschwert.“ In Schwierigkeiten geratene Betriebe sollten nicht zögern, die vereinbarten betrieblichen Anpassungsklauseln zu nutzen, meinte der Verbandspräsident. Die rund 6200 Mitgliedsfirmen hätten zuletzt im Durchschnitt eine Umsatzrendite von weniger als 1,5 Prozent erwirtschaftet, dabei lägen 40 Prozent der Betriebe „um die Null-Linie oder darunter“, sagte Kannegiesser. Zuletzt sei die Zahl der Erwerbslosen aus der Branche mit 13,1 Prozent doppelt so stark gestiegen wie in der Gesamtwirtschaft.

Kannegiesser forderte „mehr Gestaltungsspielraum in den Betrieben“. Die Verhandlungen über neue Arbeitszeitregelungen im nächsten Frühjahr seien eine Nagelprobe, ob mehr Differenzierung möglich sei. „Ein 35-Stunden-Takt vom Hoffeger bis zum Entwicklungsingenieur ist in einem Hochlohn- und Hochtechnologieland wie Deutschland nicht machbar.“

Laut „Welt am Sonntag" wird das Produktionsminus in der Branche in diesem Jahr höher ausfallen als erwartet. Die Metaller rechneten in dem jüngsten Konjunkturausblick mit einem Rückgang um vier Prozent, nachdem sie bisher von einem Minus von 2,5 Prozent ausgegangen waren.

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