Wirtschaft : Metallindustrie: Angst vor hohen Lohnabschlüssen

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Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat die Gewerkschaften davor gewarnt, wegen der hohen Inflationsrate ihre Lohnforderungen nach oben zu schrauben. Wegen des harten Wettbewerbs in der Branche würde dies "eine noch schärfere Inflationsspirale auslösen, alternativ eine Beschäftigungskrise", sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Montag in Berlin. Er räumte zwar ein, dass die Geldentwertung die im vergangenen Jahr tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen übersteige. Bald werde die Inflation jedoch wieder zurückgehen. Sie sei nur auf Grund von Einmaleffekten gestiegen, etwa die hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise. Ohnehin liege die Kernrate der Inflation weiterhin bei nur 1,5 Prozent. Für Forderungen sei es jetzt zu früh, man könne erst in acht Monaten, vor der nächsten Tarifrunde, über die wirtschaftliche Lage reden. Sein Verband wolle aber vor der anstehenden Tarifrunde auch nicht in Zweckpessimismus verfallen. Die deutsche Metall- und Elektrobranche beschäftigt bei einem Umsatz von rund 1,3 Billionen Mark rund 3,5 Millionen Menschen. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund die Hälfte der Branche.

Trotz der immer schwächeren Konjunktur erwartet die deutsche Metall- und Elektrobranche indes ein Wachstum von fünf Prozent. Dank des starken Auftragseingangs im vergangenen Jahr und der ersten guten Monate 2001 könne es bei dieser Zahl bleiben, sagte Kannegiesser. Ob es sich bei der derzeitigen Wirtschaftslage nur über eine Delle oder gar einen Einbruch handele, könne man derzeit nicht sagen. Seit zwei bis drei Monaten seien die Auftragseingänge rückläufig. "Wenn der Konjunktur-Abschwung in drei, vier Monaten immer noch so stark wie jetzt ist, haben wir ein Problem", sagte Kannegiesser. Dabei habe man es schon jetzt wegen der Dollar-Stärke mit einer "geborgten Konjunktur" zu tun.

Nachdem im Rekordjahr 2000 in der Branche rund 70 000 Arbeitsplätze geschaffen wurden, habe es in den ersten drei Monaten dieses Jahres 23 000 neue Stellen gegeben, sagte Kannengiesser. Er erwarte aber bei abflauender Konjunktur keinen Stellenabbau wie in früheren Jahren. Unternehmen, die eine entsprechende Kapitalausstattung hätten, würden anders als früher versuchen, Facharbeiter über eine Durststrecke hinweg zu halten. Kannegiesser wies außerdem daraufhin, dass in verschiedenen Regionen Deutschlands weiter Fachkräfte in der Metall- und Elektroindustrie fehlten. Das vergangene Jahr zähle mit einem Produktionsplus von sieben Prozent zu den erfolgreichsten der Branche.

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