Wirtschaft : Metallindustrie erholt sich, baut aber weiter Jobs ab

Im ersten Halbjahr fielen 35 000 Stellen weg /Entwicklung in Berlin und Brandenburg noch schlechter

Alfons Frese

Berlin - In der deutschen Industrie wird die Stimmung besser, obwohl im ersten Halbjahr weitere Arbeitsplätze verschwanden. Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall strichen die Firmen in der Metall- und Elektroindustrie 35000 Stellen, davon allein rund 13000 im Maschinen- und Fahrzeugbau. Insgesamt zählt dieser Industriebereich noch gut 3,4 Millionen Beschäftigte. Auftragseingänge, Umsatz und Produktion erhöhten sich derweil in den ersten sechs Monaten, für 2005 insgesamt erwartet Gesamtmetall nun ein Produktionsplus um drei Prozent. Die Stimmung der Firmen habe sich zuletzt „deutlich aufgehellt“, heißt es im jüngsten Konjunkturbericht des Verbandes. Diese Einschätzung gilt nicht für Berlin-Brandenburg.

„Die Sorgen, die uns die Industrie bereitet, sind nicht geringer geworden“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg, Hartmann Kleiner, auf Anfrage. Im Mai dieses Jahres – jüngere Daten liegen nicht vor – arbeiteten noch 55000 Personen in der Berliner Metallindustrie, das waren drei Prozent weniger als im Mai 2004. Gleichzeitig fiel der Umsatz um mehr als drei Prozent. Noch schlechter schnitten die Firmen in Brandenburg ab. Binnen Jahresfrist fiel hier die Beschäftigtenzahl um 3,8 Prozent auf 34500 und der Umsatz sogar um 9,6 Prozent.

Kleiner lobte zwar ausdrücklich Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf, der sich „außerordentlich bemüht“. Doch die Politik insgesamt müsse seiner Ansicht nach die Industrie „stärker in den Fokus stellen“. Bei der Entwicklung der Wasserpreise habe der Senat unlängst eine Gelegenheit verpasst, die Standortbedingungen für die Industrie zu verbessern. Auf- grund bereits angekündigter Kürzungsmaßnahmen – bei Bosch-Siemens-Hausgeräte in Spandau und Schering in Wedding werden zum Beispiel einige hundert Arbeitsplätze gestrichen – befürchet Kleiner in absehbarer Zeit eine weitere Verschlechterung der Beschäftigtenzahl. „Uns stehen noch böse Einbußen bevor.“

Deutschlandweit hat die Metallindustrie seit Monaten mit dem starken Euro, dem teuren Öl und hohen Materialkosten zu kämpfen gehabt. Trotzdem verbesserte sich insgesamt die Ertragssituation. So betrug im vergangenen Jahr die durchschnittliche Nettorendite 2,7 Prozent nach 2,0 Prozent und 1,8 Prozent in den Jahren zuvor. Allerdings werden die Unterschiede zwischen den Firmen immer größer. Nach Gesamtmetall-Angaben schrieb zuletzt ein knappes Viertel aller Unternehmen rote Zahlen, neun Prozent kamen dagegen auf eine Rendite von mehr als fünf Prozent.

Die Metall-Arbeitnehmer müssen in diesem Jahr Einbußen beim Reallohn hinnehmen. Zwar gab es schon im Frühjahr eine Tariferhöhung um 1,8 Prozent. Doch da diese Erhöhung zum Teil mit übertariflichen Zulagen oder Sonderzahlungen verrechnet wurde, erhöhten sich die Bruttoverdienste nur um gut ein Prozent. Gleichzeitig stiegen jedoch die Verbraucherpreise um fast zwei Prozent, sodass unter dem Strich die Kaufkraft der Metall-Beschäftigten gesunken ist. Im Oktober wird die IG Metall die Strategie für die kommende Tarifrunde diskutieren.

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