Metallindustrie : Warnstreiks und Gesprächsbereitschaft

Kurz vor den wohl entscheidenden Gesprächen im Tarifkonflikt in der Metallbranche haben sich die Arbeitgeber zuversichtlich gezeigt, eine Einigung zu finden. Am Vormittag streikten Zehntausende in ganz Deutschland.

Hamburg/Berlin/München - "Die Zeit ist reif. Wir sind wohl auf beiden Seiten der Meinung, dass jetzt der Knoten durchschlagen werden sollte", sagte der Gesamtmetall-Vorsitzende Martin Kannegiesser im Bayerischen Rundfunk. Die Bausteine für einen Abschluss lägen auf dem Tisch, beide Seiten müssten versuchen, sie zu einem Ergebnis zusammenzufügen.

Mehrere zehntausend Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in ganz Deutschland haben am Vormittag ihre Arbeit vorübergehend niedergelegt. Vor der möglicherweise entscheidenden 5. Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt am Nachmittag in Baden-Württemberg unterstrichen sie mit Warnstreiks lautstark die Gewerkschaftsforderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Über 100.000 Warnstreikende erwartet

Im Laufe des Tages erwartete die IG Metall bundesweit mehr als 100.000 Teilnehmer an Warnstreiks. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall kündigte für die Verhandlungen in Sindelfingen am Nachmittag ein verbessertes Angebot an. Falls es bei den Verhandlungen nicht zu einem Durchbruch kommt, droht die IG Metall mit Arbeitskampf.

Allein in Bayern rief die Gewerkschaft 70.000 Beschäftigte aus 70 Betrieben unter anderem bei BMW, Audi und Siemens zu vorübergehenden Arbeitsniederlegungen auf. In Nordrhein-Westfalen wurden 40.000 Beschäftigte aus rund 350 Betrieben vor den Werkstoren erwartet. In Baden-Württemberg waren Zehntausende zum Warnstreik aufgerufen. An der Saar rief die Gewerkschaft 4 300 Beschäftigte in zwölf Betrieben zum Warnstreik auf, in Berlin sollten es 1.000 Beschäftigte sein. Am Mittwoch waren bundesweit rund 100.000 Arbeitnehmer für mehr Geld auf die Straße gegangen.

Im bayerischen Dingolfing zählte die IG Metall 8.000 bis 10.000 Teilnehmer an einer Kundgebung bei BMW. In Hamburg zogen mehrere tausend Beschäftigte der Werft Blohm + Voss und des Flugzeugbauers Airbus zu einer Kundgebung in die Innenstadt. Im größten deutschen Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder sollte nach dem Willen der Gewerkschaft den ganzen Tag über die Arbeit ruhen. In Bremen beteiligten sich rund 4.000 Mitarbeiter von DaimlerChrysler an Protesten. In Stuttgart versammelten sich insgesamt rund 5 500 Mitarbeiter von Bosch und DaimlerChrysler vor den Werkstoren. In zahlreichen Betrieben bundesweit gab es kleinere Protestaktionen.

Schlüsseltreffen in Sindelfingen

Arbeitgeber und Gewerkschaft treffen am Nachmittag in Baden-Württemberg zur möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde zusammen. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche. Die Arbeitgeber haben in einem ersten Angebot 2,5 Prozent mehr Entgelt und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent geboten.

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, rief die Arbeitgeber dazu auf, ein besseres Angebot vorzulegen. Huber sagte im Bayerischen Rundfunk: "Die Arbeitgeber müssen jetzt schon kräftig etwas draufsatteln. 2,5 Prozent sind schlicht und ergreifend angesichts der wirtschaftlichen Lage, des Aufschwungs, den ja die Leute erarbeitet haben, in keinster Weise akzeptabel." Falls die Verhandlungen der nächsten Tage kein Ergebnis brächten, könne es zu Urabstimmungen und Streiks kommen, erklärte er. (tso/dpa/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben