Wirtschaft : Metro baut auf Niedrigpreise

Elektronikmärkte Saturn und Media Markt führen aggressive Werbung fort / Umsatzanstieg trotz Konsumflaute

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Düsseldorf / Berlin (kwi/msh). Der Handelskonzern Metro will trotz der anhaltenden Konsumflaute im laufenden Jahr seinen Umsatz um fünf Prozent steigern und beim Gewinn zulegen. Diese Prognose gelte jedoch nur unter der Voraussetzung, „dass der Krieg im Irak nur kurze Zeit dauert“, sagte Metrochef HansJoachim Körber bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. „Die Rahmenbedingungen für den Handel bleiben schwierig." Mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres konnte die Metro die Erwartungen der Finanzmärkte erfüllen.

Der Konzernumsatz stieg 2002 um vier Prozent auf 51,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn vor Steuern kletterte um 3,1 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Damit konnte sich die Metro insgesamt besser entwickeln als die Branche. Der Einzelhandel verzeichnete im vergangenen Jahr wegen der Kaufzurückhaltung der Verbraucher einen Umsatzrückgang von zwei Prozent. Dabei schnitten die einzelnen Handelsunternehmen sehr unterschiedlich ab. Während die von den Konsumenten als teuer wahrgenommenen Fachgeschäfte und Warenhäuser hohe Umsatzeinbußen verzeichneten, legten Discounter wie Aldi, Lidl oder H&M deutlich zu. Auch bei der Metro entwickelten sich die einzelnen Konzernbereiche sehr unterschiedlich.

Die Stütze des Metro-Geschäfts bleiben die Großmärkte und die Elektronikmärkte von Media Markt/Saturn. Die beiden Vertriebslinien machen inzwischen zwei Drittel des Metro-Umsatzes aus und erzielen mehr als 80 Prozent des Gewinns. Der Umsatz der Großmärkte (Cash & Carry, siehe Lexikon) stieg leicht auf 24 Milliarden Euro. Die internationale Expansion der Großmärkte will Körber auch im laufenden Jahr weiterführen. Nachdem die Metro im vergangenen Jahr die ersten Märkte in Vietnam und Japan eröffnet hatte, folgen 2003 weitere Neueröffnungen in der Ukraine und Indien. Die Großhandelssparte ist dann in 26 Ländern aktiv.

Gegen den Negativtrend im Einzelhandel entwickelte sich auch das Geschäft der Elektronikdiscounter Media Markt und Saturn, die Umsatz und Gewinn zweistellig steigern konnten. „Die Elektronikmärkte haben mit ihrer Geiz-ist-geil-Kampagne den Zeitgeist getroffen. Saturn wird von den Kunden als Preisführer wahrgenommen“, sagt Volker Bosse, Einzelhandelsexperte der Hypo-Vereinsbank. Metrochef Körber kündigte an, die preisaggressive Werbung auch in diesem Jahr ohne Abstriche fortzusetzen.

Supermärkte enttäuschen

Schlecht lief das Geschäft bei den Lebensmittel-Supermärkten (Extra) und den Baumärkten (Praktiker). Beide Geschäftsbereiche sind noch stärker in die roten Zahlen gerutscht. Metrochef Körber begründete dies mit dem verschärften Wettbewerb sowie den Überkapazitäten im Einzelhandel. Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dass sich die Metro von den beiden Sorgenkindern trennen will. Körber sagte am Dienstag, angesichts der problematischen Wirtschaftslage sei es derzeit schwer, einen angemessenen Kaufpreis zu erzielen.

Daher betreibe die Metro eine „Doppelstrategie“ bei Extra und Praktiker. Während weiter nach Investoren gesucht wird, sollen die Märkte durch Investitionen für potenzielle Käufer attraktiv gemacht werden. So werden bei Extra weitere Geschäfte auf ein neues Marketingkonzept umgestellt, das den Niedrigpreisen der Discounter eine höhere Qualität entgegensetzt. Eine attraktive Ladengestaltung, ein großes Sortiment und viele frische Lebensmittel sollen die Kunden locken. Branchenbeobachter zweifeln aber am Erfolg dieser Strategie. „In Deutschland achten die Kunden zuerst auf den Preis. Das Qualitätskonzept der Extra-Märkte haben sie bislang nicht angenommen“, sagt Handelsexperte Bosse.

Relativ glimpflich haben die Kaufhof-Warenhäuser das vergangene Jahr überstanden. Der Umsatz schrumpfte nur leicht auf 3,9 Milliarden Euro. Allerdings drückten die zahlreichen Preisnachlässe und Rabattaktionen das Ergebnis. Der Gewinn vor Steuern brach um 30 Prozent auf 131,4 Millionen Euro ein.

Die Börse honorierte die Gesamtzahlen des Konzerns. Die im Börsenindex Dax vertretene Aktie legte um 3,45 Prozent auf 19,48 Euro zu. Die Metro-Aktionäre erhalten eine gleich bleibende Dividende von 1,02 Euro pro Aktie.

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