Wirtschaft : Metro: Erwin Conradi tritt zurück - Eigner dementieren Verkaufsabsichten an Wal-Mart

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Bei der Metro kommt es zum Wechsel an der Spitze, und Beobachter sehen hierin auch eine Vorentscheidung über eventuelle Verkäufe an Wal-Mart. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Erwin Conradi, tritt zurück. Nach knapp 30 Jahren im drittgrößten europäischen Einzelhandelskonzern legt Conradi gleich drei Mandate nieder. Wie die Mehrheitsgesellschafter der Metro am Montag in einer Ad-hoc-Mitteilung verkündeten, wird Conradi zum Ende des Monats den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Metro AG räumen. Auch soll Conradi nicht länger Präsident der Metro-Muttergesellschaft, der Metro Holding, sein und zudem sein Amt als Geschäftsführer der Metro Vermögensverwaltungsgesellschaft niederlegen. Der Nachfolger Conradis soll Jan von Haeften werden, bisher Präsident des Verwaltungsrats der Metro Holding.

Die drei Großaktionäre der Metro, Otto Beisheim sowie die Familien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck teilten mit, "alle Beteiligten sind überzeugt, dass durch diese weitreichenden Maßnahmen den Gerüchten um die Metro der Boden entzogen ist". Sie seien entschlossen, an ihrem Engagement bei Metro festzuhalten. Die Gesellschafter dementierten Spekulationen um einen Verkauf ihrer Beteiligungen an die amerikanische Supermarktkette Wal-Mart.

Die Börse reagierte auf die Personalentscheidung wenig begeistert: Der Kurs fiel kurz darauf um zehn Prozent. Ein Grund: Der Rücktritt Conradis sowie die Erklärung der Mehrheitsgesellschafter sind noch keine klaren Signale dafür, wohin Metro steuert. "Wird Conradi damit kaltgestellt oder haben die Gesellschafter ihn jetzt hochgelobt?", fasst Jörg Christians, Analyst bei der WGZ-Bank, die Spekulationen zusammen. Aus der Metro-Spitze scheidet Conradi nämlich nicht ganz aus: Er soll in Zukunft die Interessen des Metro-Gründers Otto Beisheim in verschiedenen Gremien vertreten. Beisheim gilt als Drahtzieher im Hintergrund.

Die "Lebensmittelzeitung" kommentierte, offenbar habe Aufsichtsratschef Conradi das "Tauziehen gegen Metro-Vorstand Joachim Körber verloren". Körber hatte bisher als entschiedener Gegner eines Verkaufs von Metro-Anteilen gegolten, während Conradi sich schon mehrfach in der Branche nach Partnern umgesehen hatte. Der Verkauf von Beteiligungen an Wal-Mart ist aber nach Angaben der "Lebensmittelzeitung" auch deswegen gescheitert, weil Conradi die Amerikaner mit seinem "dezidierten Auftreten" brüskiert habe.

Unklar bleibt auch die Rolle des designierten Nachfolgers Jan von Haeften. Dieser soll sich im Aufsichtsrat um den Posten des Vorsitzers bewerben. Von Haeften vertritt die mit über 200 Mitgliedern weit verzweigte Familie Haniel. Nach Aussage von Analysten ist es nach wie vor möglich, dass die Mehrheitsgesellschafter ihre Anteile doch noch verkaufen werden. Denn gegenüber ihren Aktionären steht Metro noch immer unter Erfolgsdruck. Der Kurs der Metro-Aktie kletterte Anfang Juli, als Gerüchte um den Verkauf der Verbrauchermärkte (Real und Extra) an die britische Einzelhandelskette Tesco bekannt wurden. Auch die Spekulationen um einen Verkauf dieser Verbrauchermärkte an Wal-Mart kamen dem Kurs zugute. Denn der Schritt wäre aus Sicht vieler Analysten sinnvoll: Anders als die Großmärkte von Metro, die im Jahr 1999 gut die Hälfte des operativen Gewinns einfuhren, bereiten die Verbrauchermärkte dem Einzelhandelskonzern große Sorgen. Deswegen hatte Conradi bereits eine Verschmelzung mit dem Einzelhandelskonzern Carrefour angestrebt. Diese war jedoch gescheitert.

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