Wirtschaft : Metro sieht Ende des Leidens beim Konsum

Handelskonzern verdient im zweiten Quartal zwar weniger, rechnet aber von jetzt an mit deutlicher Erholung

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Berlin (pet). Deutschlands größter Handelskonzern Metro (Kaufhof, Extra, Media-Saturn) hat im zweiten Quartal unter der allgemeinen Konsumzurückhaltung gelitten und weniger verdient. Besonders schlecht schnitten die deutschen Verbrauchermärkte ab. Trotzdem hält Konzernchef Hans-Joachim Körber – entgegen den Erwartungen vieler Analysten – an der Gewinnprognose für das Gesamtjahr fest und senkte die Umsatzprognose nur leicht nach unten.

Das heißt, dass Körber für die zweite Hälfte dieses Jahres mit einem Ende der Konsumverweigerung der Deutschen rechnet. Die Märkte honorierten diesen Optimismus mit einem deutlichen Aufschlag: Bis zum Börsenschluss blieb der Metro-Aktie, die zeitweise über fünf Prozent gewonnen hatte, noch ein Kursgewinn von 1,16 Prozent.

Bei dem fünftgrößten Handelskonzern der Welt scheint sich der Strategiewechsel auszuzahlen. Bis 1998 war die Metro vor allem ein deutsches Unternehmen, nur etwa fünf Prozent des Umsatzes wurden im Ausland erzielt. Seitdem treibt der Konzern die Internationalisierung kräftig voran. Inzwischen wird fast die Hälfte der Umsätze außerhalb Deutschlands erzielt. Dudurch werde der Konzern zunehmend unabhängiger von Konjunkturschwankungen in einzelnen Ländern, sagte Vorstandschef Körber am Mittwoch. Im zweiten Quartal ging der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) nach Konzern-Angaben auf 181,8 Millionen Euro zurück, nach 192,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um 1,6 Prozent auf 12,06 Milliarden Euro.

Auch im ersten Halbjahr verdiente die Metro weniger. Starke Einbußen bei Umsatz und Gewinn mussten neben der Kaufhof-Kette und den Praktiker-Baumärkten vor allem die deutschen Verbrauchermärkte Real und Extra verkraften. Die Geschäfte litten unter der Konsumzurückhaltung der Verbraucher, die auf der Suche nach günstigen Preisen zudem immer öfter bei Discountern einkauften. Die Metro liegt dabei im Negativ-Trend der Branche. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Mittwoch bescherten Konjunkturflaute und Teurofrust der Verbraucher dem deutschen Einzelhandel insgesamt ein deutliches Umsatzminus. In den ersten sechs Monaten nach der Euro-Einführung sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum real um 3,7 Prozent zurückgegangen, im Juni fiel der Rückgang den Angaben zufolge mit 5,3 Prozent noch deutlicher aus. Der Branchenverband BAG hofft jetzt, dass der Schlussverkauf ein Signal zur Umkehr beim Käuferverhalten geben und der private Konsum im zweiten Halbjahr deutlich anziehen wird.

Darauf setzt auch Metro-Vorstandschef Körber. Er rechnet mit einer Normalisierung des Kundenverhaltens im zweiten Halbjahr. Analysten halten das für realistisch. „Wir gehen ja von einer geringen Vorjahresbasis aus“, sagte Hypo-Vereinsbank-Analyst Volker Bosse. Das zweite Halbjahr 2001 sei aufgrund der Nachwirkungen des 11. September schwach gewesen. Im Gegensatz zum Warenhaus-Bereich legten die Großmärkte und die Elektronik-Fachmärkte im ersten halben Jahr zu. Die Fachmärkte Media-Saturn profitierten nach Angaben von Analyst Bosse von der „Sonderkonjunktur Fußball-Weltmeisterschaft“, die das Geschäft mit Fernsehern und Video-Rekordern kurzzeitig in Schwung gebracht habe. Deutlich gewachsen ist auch die Großhandelssparte (cash & carry, siehe Lexikon Seite 18), die traditionell als Wachstumsmotor des Metro-Konzerns gilt. Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg um 6,2 Prozent auf 11,18 Milliarden Euro, der Ebit um 15,3 Prozent auf 184,6 Millionen Euro. 77 Prozent des Umsatzes im cash & carry-Bereich werden inzwischen im Ausland erzielt. Für das Gesamtjahr bestätigte der Metro-Chef die Gewinnprognose. Für 2002 erwartet er ein Gewinnplus je Aktie von rund zehn Prozent, beim Umsatz ein Plus von bis sechs Prozent.

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