• Metro: Spekulationen über Übernahme reißen nicht ab - Private Investorengruppe sowie Wal-Mart-Chef an Handelskonzern interessiert

Wirtschaft : Metro: Spekulationen über Übernahme reißen nicht ab - Private Investorengruppe sowie Wal-Mart-Chef an Handelskonzern interessiert

Die Spekulationen über eine Übernahme und anschließende Zerschlagung des größten deutschen Einzelhandelskonzerns Metro, der zu 67 Prozent in Privatbesitz liegt, reißen nicht ab. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete, eine private Investorengruppe verhandle über eine Übernahme der Metro. Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge ist der Chef des weltweitgrößten Einzelhandelskonzerns Wal-Mart, Lee Scott, nach Deutschland gereist, um sich selbst um die Übernahme zu kümmern. Die Metro blieb dabei, Marktgerüchte nicht zu kommentieren.

Die FTD berichtete unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld der Investorengruppe, seit Monaten fänden Gespräche mit den drei Metro-Großaktionären über den Verkauf von deren Aktienpaketen statt. Clemens Vedder, der zusammen mit Klaus-Peter Schneidewind zu den Interessenten gehören soll, habe dies allerdings dementiert. Vedder und Schneidewind hatten jüngst über die Beteiligungsgesellschaft Cobra 17 Prozent an der Commerzbank erworben. Die Gruppe der privaten Investoren könne zwar über die Börse eine Sperrminorität erwerben, aber um entscheiden zu können, benötige sie Aktien der Großaktionäre, schreibt die Finanzzeitung weiter.

Rund 67 Prozent der Anteile liegen bei Metro-Gründer Otto Beisheim, dem Franz-Haniel-Familienkonzern und der Familie Schmidt-Ruthenbeck. Die Eigner hätten sich gegenseitig ein Vorkaufsrecht auf die Aktien eingeräumt. Sollten sie darauf verzichten und würde der Verkauf an die privaten Investoren zustande kommen, droht dem Handelsriesen dem Bericht zufolge die Zerschlagung.

An eine Zerschlagung der Metro denkt nach dem Bericht des Handelsblatt auch Wal-Mart-Chef Scott. Ihm gehe es vor allem um den Erwerb der in Deutschland stark positionierten Metro-Lebensmittelmärkte (Real und Extra) mit Umsätzen von gut 21 Milliarden Mark, um in Deutschland aus den Defiziten herauszukommen. Der Wal-Mart-Konzern, der weltweit Umsätze von etwa 165 Milliarden Dollar erzielt, war Ende 1997 in den deutschen Markt mit der Übernahme der Wertkauf-Gruppe eingedrungen. Die deutsche Tochter, die jetzt auf etwa fünf Milliarden Mark Umsatz kommt, schreibt aber hohe Verluste.

Gelänge Scott die Metro-Übernahme, würde er die Sparten Cash & Carry, Elektronik- und Baufachmärkte sowie die Kaufhof-Warenhäuser verkaufen, berichtete das Handelsblatt. Scott sei eigens nach Deutschland gereist, um sich des Problems anzunehmen, hieß es unter Berufung auf zuverlässige Quellen.

Metro-Konzernpressesprecher Martin Raßfeld sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Unternehmen bleibe bei seiner Haltung, Marktgerüchte nicht zu kommentieren. Auch im Büro von Metro-Aufsichtsratschef Erwin Conradi, der selbst wegen einer Reise nicht erreichbar war, hieß es, solche Berichte würden grundsätzlich nicht kommentiert.

Die Metro hatte 1999 bei Netto-Umsätzen von 85,65 Milliarden Mark ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 1,35 Milliarden Mark ausgewiesen. 1998 hatte sich Metro von allen Randaktivitäten getrennt und auf die vier Kerngeschäftsfelder zurückgezogen. Aus eigener Kraft wird derzeit die von Conradi angestrebte Internationalisierung voran gebracht. Vor allem in Osteuropa expandiert die Metro stark.

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