Wirtschaft : Metro verschiebt Börsengang von Praktiker

Der Handelspreis senkt den Ausgabepreis der Aktien – und gibt der Politik die Schuld für die geringe Nachfrage

Dagmar Rosenfeld

Berlin - Der Handelskonzern Metro hat den Börsengang seiner Baumarkt-Tochter Praktiker verschoben und die Preisspanne für die Aktien gesenkt. Der Ausgabepreis liegt nun zwischen 14 und 15 Euro, anstatt der geplanten 16 bis 19 Euro. Am Dienstag soll die Praktiker-Aktie erstmals an der Börse gehandelt werden – ursprünglich war der heutige Freitag als Starttermin vorgesehen. Damit sinkt das Emissionsvolumen auf höchstens 517,5 Millionen Euro. Die Metro-Aktie reagierte auf die Ankündigung mit einem leichten Kursverlust und schloss am Donnerstagabend bei 37,10 Euro. Die Praktiker-Aktie gab im außerbörslichen Handel ebenfalls nach, beim Wertpapierhändler Lang&Schwarz notierte sie mit 14,25 bis 15,25 Euro.

Offenbar war die Nachfrage nach dem Praktiker-Papier nicht ausreichend, obwohl Metro noch Mitte der vergangenen Woche bestätigt hatte, mit dem Börsengang laufe alles nach Plan. Doch nachdem die Koalitionsvereinbarungen von CDU und SPD bekannt geworden sind, „haben wir eine verstärkte Zurückhaltung bei den Investoren gespürt“, sagte ein Metro-Sprecher dem Tagesspiegel. „Hier sind Beschlüsse getroffen worden, die aus Sicht der Investoren nicht gerade dazu beitragen, den Einzelhandelsmarkt zu beflügeln“, sagte er.

Analysten und Händler hatten allerdings von vornherein kritisiert, dass der Ausgabepreis der Praktiker-Aktie zu hoch angesetzt worden sei. Im Vergleich zu Baumarktketten wie Hornbach oder der britischen Kingfisher sei das zu teuer, hieß es. „Die jetzige Preisspanne von 14 bis 15 Euro ist angemessen“, sagte Christian Schindler, Analyst bei der rheinland-pfälzischen Landesbank, dem Tagesspiegel. Die Baumarktbranche sei noch wettbewerbsintensiver als der deutsche Einzelhandel insgesamt, hier würden die Nettogewinnmargen gegen null tendieren. „Praktiker ist zwar eine Turnaround-Story mit einem guten Wachstum im Ausland“, sagte Schindler. Das Deutschlandgeschäft sei aber nach wie vor belastend.

Die Metrotochter Praktiker ist auf dem deutschen Markt nach Obi die Nummer zwei im Baumarktgeschäft. In Deutschland betreibt Praktiker 277 Filialen, hinzu kommen insgesamt 61 Märkte in Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Luxemburg, Polen, Ungarn und der Türkei. Praktiker beschäftigt europaweit rund 15000 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr 2,9 Milliarden Euro um.

Metro hatte anfangs einen Verkauf der Praktikerkette erwogen, da die Baumärkte nicht zum Kerngeschäft des Düsseldorfer Handelskonzerns zählen. Denn Metro will sich auf den Ausbau seiner Großhandelsmärkte und Elektronikketten Saturn und Media Markt konzentrieren.

Metro entschied sich am Ende für einen Börsengang als die lukrativere Variante. Praktiker war bereits von 1998 bis 2002 an der Börse notiert, nach der vollständigen Übernahme durch Metro wurde die Aktie aus dem Handel genommen. Nun bringt der Handelskonzern rund 60 Prozent der Praktiker-Anteile an die Börse und bleibt mit 40,5 Prozent größter Aktionär. Mit dem Emissionserlös soll die Expansion von Praktiker nach Osteuropa vorangetrieben werden.

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