Wirtschaft : Metro will Zentrale von Wal-Mart schließen

Handelskonzern profitiert im Inland von der WM

Arvid Kaiser

Düsseldorf - Nach der Übernahme der deutschen Wal-Mart-Filialen will Metro-Chef Hans-Joachim Körber die bisherige Firmenzentrale in Wuppertal offenbar schließen. Körber sagte am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen, dass er die Wal-Mart-Deutschland-Zentrale mit 700 Beschäftigten für überflüssig halte, wenn die Märkte der amerikanischen Handelskette in die Vertriebslinie der Metro-Tochter Real eingegliedert würden. Spekulationen, wonach manche Wal-Mart-Filialen geschlossen werden und Arbeitsplätze verloren gehen könnten, bezeichnete der Metro-Chef aber als verfrüht. Zuerst müsse das Kartellamt prüfen, ob Metro mit Wal-Mart und den zuvor gekauften polnischen Géant-Filialen den Markt beherrsche und gegebenenfalls Auflagen erfüllen müsse. Mit der Entscheidung sei erst gegen Jahresende zu rechnen.

Der Einzelhandelskonzern Metro hat nach eigenen Angaben das „erfolgreichste Quartal seit sechs Jahren“ hinter sich. Der Umsatz von April bis Juni lag mit 14 Milliarden Euro um 7,9 Prozent über dem des Vergleichszeitraums 2005. Der Betriebsgewinn stieg um 23,8 Prozent auf 322 Millionen Euro. Der Kurs der Aktie gab am Dienstag trotzdem um zwei Prozent nach. Grund waren Spekulationen, wonach Großaktionär Haniel sich aus dem Konzern zurückziehen könnte.

Metro ist auf Wachstumskurs. In der vergangenen Woche hatte der Konzern die Übernahme der 85 deutschen Wal-Mart-Filialen bekannt gegeben, die die schwächelnden SB-Warenhäuser Real/Extra stärken sollen. Bereits seit Mitte Juli steht fest, dass Metro 26 Géant-Märkte in Polen übernimmt.

Mit Wal-Mart scheint Metros Übernahmehunger aber vorerst gestillt zu sein: „Die Integration von 85 Warenhäusern ist eine stramme Aufgabe, die erst mal bewältigt werden muss“, sagte Körber. Er wies Bedenken zurück, wonach Metro sich mit der deutschen Wal-Mart, die dem US-Konzern in knapp zehn Jahren rund zwei Milliarden Euro Verlust gebracht hatten, übernehmen könnte: „Der Deal macht betriebswirtschaftlich Sinn, sonst hätten wir ihn nicht gemacht.“

Nach der geplanten Schließung der deutschen Wal-Mart-Zentrale sieht Körber gute Chancen, den betroffenen Mitarbeitern Jobs in der Umgebung anzubieten, wo 8000 Menschen für Metro arbeiten. Gleichzeitig ließ Körber durchblicken, an welchen Wal-Mart-Filialen er besonders interessiert ist: Im Südwesten und im Norden Deutschlands könne der Konzern Lücken im Real-Filialnetz schließen.

Derweil zeigt die Sanierung der Supermarkttochter Real, die im vergangenen Jahr im Gefolge eines Fleischskandals ins Minus geraten war, Erfolg. „Real wird in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben“, sagte Körber. Im abgelaufenen Quartal machte Real ein bescheidenes operatives Plus von fünf Millionen Euro.

Auch die Warenhäuser erholen sich nach Metro-Angaben wieder. Allerdings bleibt die Kaufhauskette Galeria Kaufhof das Sorgenkind des Konzerns. Grund zum Optimismus sah Körber darin, dass der operative Verlust dank eines leichten Umsatzwachstums im zweiten Quartal auf 39 Millionen Euro gesenkt wurde. Optimistisch ist er auch mit Blick auf das neue Flaggschiff-Haus Galeria Kaufhaus am Berliner Alexanderplatz, das nach dem Umbau im Mai eröffnet wurde.

Die großen Geldbringer des Metro-Konzerns blieben jedoch die Metro-Cash-&-Carry-Großmärkte sowie die Elektromärkte Media Markt und Saturn. Im April hat Metro sich von den letzten Anteilen der im November an die Börse gebrachten Baumarkttochter Praktiker getrennt.

Erneut legte Metro vor allem im Auslandsgeschäft zu, besonders in Asien und Osteuropa. Gut die Hälfte seines Umsatzes erzielte der Konzern außerhalb des deutschen Heimatmarkts. Aber auch in Deutschland kann Metro im zweiten Quartal wieder zulegen. Das Unternehmen profitierte auch von der Fußball-Weltmeisterschaft. So verkauften die Elektronikmärkte Saturn und Media Markt deutlich mehr Fernsehgeräte. Bezogen auf das gesamte erste Halbjahr ging das Deutschland-Geschäft im Vergleich zum Vorjahr allerdings zurück, weil das Plus im zweiten Quartal das Umsatzminus vom Jahresbeginn nicht ausgleichen konnte.

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