Wirtschaft : „Mexikaner arbeiten anders“

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Herr Krause, was raten Sie Unternehmern, die in Mexiko investieren wollen?

Machen Sie sich ein Bild von Mexiko. Informieren Sie sich über die Chancen für Ihr Produkt. Beobachten Sie Ihre Branche. Treffen Sie bloß keine Entscheidungen auf der Grundlage von Marktstudien.

Und dann?

Sie treffen sich mit Experten, die die deutsche Art, Geschäfte zu machen, verstehen und Mexiko kennen.

Was unterscheidet denn die beiden Unternehmenskulturen?

Der Mexikaner sagt selten „no“. Er sagt lieber „mañana“, also morgen. Das ist keine konkrete Zeitangabe oder eine Zusage. Damit muss man umgehen können. Dann ist Menschenführung sehr wichtig. Die Menschen arbeiten anders.

Inwiefern?

Es gibt sehr gute Arbeitskräfte hier, aber man muss sie motivieren. Der Mexikaner ist verletzlich, wenn man ihn kritisiert.

Was sagen Sie deutschen Unternehmern zum Thema Korruption?

Lassen Sie sich nie darauf ein. Wenn man einmal in die Korruptionsspirale geraten ist, kommt man da nicht mehr raus.

Stichwort Sicherheit?

Die Kriminalität ist in den Städten ein Problem. Aber nicht in der Provinz. Und für produzierende Unternehmen gibt es auch aus logistischen Gründen gar keine Alternative als in die Provinz zu gehen – Mexiko-Stadt platzt ja aus allen Nähten. Aber wir sagen nicht: Meiden Sie die Hauptstadt. Wenn Sie eine Vertriebs- oder Servicegesellschaft aufbauen, dann ist sie der wichtigste Standort. Hier werden 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Aber man muss dazu sagen: Sie werden privates Wachpersonal brauchen. Kalkulieren Sie die Kosten mit ein.

Michael Krause berät in Mexiko Firmen, die dort investieren wollen. Er ist Chef des German Centre Mexico und Repräsentant der LB Baden-Württemberg. Mit ihm sprach Michael Schmidt.

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