Wirtschaft : MG-Chef Kajo Neukirchen gibt auf

Ende eine langen Streits: Der Großaktionär Otto Happel setzt sich durch und zieht in den Aufsichtsrat ein

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Berlin (fo). Otto Happel, größter Einzelaktionär der MG Technologies (früher Metallgesellschaft), hat den Vorstandsvorsitzenden des Frankfurter Mischkonzerns verdrängt: Kajo Neukirchen (61) wird das Unternehmen Ende Mai verlassen, ein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Das teilte der MGAufsichtsrat am Donnerstag mit. Nach Informationen des Handelsblatt werden Klaus Sturany, ehemaliger Chef der MG-Tochter Gea, sowie Uwe Lüders, Chef des gerade von Bosch übernommenen Heizungsbauers Buderus, für diesen Job gehandelt.

Neukirchens Abgang vorausgegangen ist ein jahrelanger Streit mit Happel um die Ausrichtung des Konzerns. Happel hatte allerdings nie richtig deutlich gemacht, was er eigentlich ändern wollte. Jetzt konnte der in der Schweiz lebende Investor sein zehnprozentiges Aktienpaket an MG offensichtlich verdoppeln und so den Druck auf das Management massiv ausbauen. Happel soll nach einem Vorschlag des Aufsichtsrates nun auch in des Gremium aufgenommen werden. Der ehemalige Mercedes-Chef Helmut Werner dagegen, bislang MG-Aufsichtsratsvorsitzender, steht für das Amt nicht mehr zur Verfügung.

Neukirchen zählt zu den bekanntesten aber auch zu den umstrittenen Managern in Deutschland. Er gilt als knallharter Sanierer, der seine Spuren vor MG beim Stahlhersteller Hoesch und später bei FAG Kugelfischer hinterließ. Trotzdem traute ihm 1993 kaum jemand zu, die am Rande des Konkurses stehende Metallgesellschaft aus der Krise zu führen. Denn das Frankfurter Unternehmen war durch milliardenschwere Spekulationen mit Öltermingeschäften so in Bedrängnis geraten, dass für viele nur noch eine Zerschlagung in Frage kam. Neukirchen löste im Auftrag des Hauptgläubigers Deutsche Bank das Problem, lastete sich aber Ende der neunziger Jahre mit dem Einstieg beim Bochumer Anlagenbauer Gea ein neues auf. Gea-Eigentümer Otto Happel kassierte für seine Firma Bargeld in Millionenhöhe sowie zehn Prozent der MG-Aktien. Happels Ankündigung, sich aus dem Management herauszuhalten, hielt nicht lange. Denn der seitdem privatisierende Investor fühlte sich offenbar bei dem Verkauf über den Tisch gezogen und begann eine öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen MG-Vorstandschef Neukirchen. Der Streit zog sich über Jahre hin und eskalierte zeitweise wegen der Bespitzelung des Gegners durch Detektive. Damit war auch klar geworden, dass Happel und Neukirchen eine offene Rechnung miteinander zu begleichen hatten.

Der Spezialchemiehersteller und Anlagenbauer MG Technologies hat für das laufende Jahr erst vor einigen Wochen die Fortführung des laufenden Kostensenkungsprogramms angekündigt. Vorgesehen ist unter anderem der Abbau von 1000 Stellen. Ende 2002 arbeiteten für den Konzern rund 31 800 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2001/02 hatte MG einen Umsatz von 8,8 Milliarden Euro (davon allein 6,6 Milliarden im Ausland) und einen Gewinn von 320 Millionen Euro erwirtschaftet.

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