Wirtschaft : mg technologies: Auch Neukirchen bleibt nicht cool

Rolf Obertreis

Kajo Neukirchen ist als spröder und zugleich harter Sanierer bekannt. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, kann er deutlich werden. Die Hauptversammlung der mg technologies lieferte dafür einen Beweis. Die Vorwürfe des Großaktionärs Otto Happel gegen Neukirchens Führungs- und Managementstil wies der mg-Vorstandschef nicht nur mit deutlichen Worten, sondern auch mit sicht-licher Erregung zurück. Mitunter drohte sich Neukirchens Stimme zu überschlagen. Der 59-jährige Manager, dessen überhebliches Auftreten nicht selten Unmut hervorruft, konnte freilich mit Genugtuung die Unterstützung der Kleinaktionäre entgegennehmen. Neukirchen sei ein "bravouröser Sanierer", der in beispielloser Art ein Unternehmen aus der Krise geführt habe, hieß es. Dass Neukirchen auch austeilen kann, hat er in den vergangenen Wochen mit seinen zum Teil heftigen Retourkutschen auf Happel gezeigt. Den knallharten Stil des Managers haben auch zahlreiche Führungskräfte bei der mg zu spüren bekommen. Aber der gebürtige Rheinländer hat die mg auch nach der existenzbedrohenden Krise Ende 1993 nicht nur saniert, sondern wieder auf die Erfolgsspur geführt. Im vergangenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen zum sechsten Mal hintereinander den Gewinn kräftig gesteigert. Auch die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind nach Angaben von Neukirchen gut. Dass auch bei der neuen mg Probleme auftauchen, etwa im Großanlagenbau, schreibt Neukirchen nicht eigenen Versäumnissen zu, sondern den Verfehlungen der verantwortlichen Manager. Neukirchen reagiert meist schnell: Die Verantwortlichen dürfen sich in der Regel einen neuen Job suchen. Von seinem strategischen Konzept, die mg zu einem führenden Anlagenbauer und Dienstleister für die Pharma- , Chemie- und Lebensmittelindustrie zu machen, ist Neukirchen felsenfest überzeugt. Der Ärger mit seinem Großaktionär kommt ihm ungelegen. Eigentlich wollte sich Neukirchen auf seine vermutlich letzten beiden Jahren bei der mg konzentrieren. Dem Rheinländer stehen vermutlich auch weiterhin unruhige Zeiten bevor.

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