Wirtschaft : Micky Maus im Depot

Jugend-Fonds setzen auf Aktien, die vor allem bei Teenagern hoch im Kurs stehen

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Düsseldorf (abk/HB). Teenager stehen auf trendige Markenartikel. Nicht nur das eigene Taschengeld fließt in Produkte von Benetton, Nintendo und Puma. Auch Mama und Papa lassen sich vom Nachwuchs bei ihren Einkäufen beeinflussen. Wer von der Kaufkraft der Jugendlichen profitierten will, kann in Fonds mit Jugendbezug investieren, so lautet zumindest die Werbebotschaft für die TeenagerFonds von Activest, Gamax und Adig. „Kinder und Jugendliche kaufen viele Markenprodukte und das steigert dann auch den Wert der Aktie“, erklärt Bettina Schmitz, Marketing-Chefin des Brokerpools Gamax die Anlagestrategie. Der Gamax Junior Fonds investiert daher ausschließlich in Aktien von Firmen, die bei Teenagern ankommen, wie Walt Disney (Mickey Mouse), Sony, Microsoft oder Nokia. „Titel von Tabak-, Alkohol- oder Rüstungsunternehmen werden Sie in dem Junior Fonds natürlich nicht finden“, sagt Schmitz.

Zielgruppe der Jugend-Fonds sind aber nicht nur die Kids selbst, sondern auch deren Eltern oder Großeltern. „Oma und Opa schenken ihren Enkeln heute schon oft Geld oder Sparbücher, dabei sind sie auch bereit, viel zu investieren, damit die Enkel dann mit 18 Jahren eine stolze Summe angespart haben“, sagt Schmitz von Gamax. „Auf der einen Seite eignet sich dieser Fonds natürlich für Eltern oder Großeltern, die ihre Enkel an die Wertpapieranlage gewöhnen wollen“, sagt Harald Staudinger, Fondsmanager bei Activest. Zum anderen sei der Activest Lux Young World-Fonds, mit einer Spareinlage von 25 Euro auch für Jugendliche geeignet.

In erster Linie investiert der Activest Jugendfonds in Konsumgüterhersteller wie Nahrungsmittel- oder Getränkekonzerne. Bei der Aktienauswahl wird darauf geachtet, dass die Firmen an der Kaufkraft jugendlicher Zielgruppen in vergleichsweise hohem Maße teilhaben. „Wenn es darum geht, einen Fahrzeughersteller auszuwählen, entscheiden wir uns nicht für Toyota sondern für Honda, weil die noch fetzigere Modelle anbieten“, sagt Staudinger. „Bei Elektronikfirmen ist Sony besonders interessant, weil das Unternehmen besonders vom Verkauf von DVDs profitiert.“

Kai Wieking, Fondsanalyst bei Morningstar, hält Jugend-Fonds dagegen ausschließlich für einen Marketing-Gag: „Das ist eine gute Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erzielen“, sagt er. „Aber nach solchen Aspekten einen Fonds zusammenzustellen, halte ich für nicht sehr sinnvoll.“ Bei der Aktienauswahl für einen Fonds sollte allein die Bewertung zählen. Eine Aktie zu kaufen, nur weil das Unternehmen bei Teenagern in Mode sei, sei nicht sinnvoll. Aus demographischer Sicht sei eine solche Anlagestrategie bedenklich. „Jugendliche setzen vielleicht Trends, aber bei der Kaufkraft machen sie nicht den Löwenanteil aus“, sagt Wieking. Activest bietet indes auch einen Aktienfonds an, der in Unternehmen investiert, die von der Alterung der Gesellschaft profitieren.

Der Activest Generation World Fonds verfolgt dabei vier Schwerpunkte. Medizin, Versicherungen, Banken und Asset-Management-Gesellschaften. Die Manager der Teenager-Fonds setzen dagegen schwerpunktmäßig auf die Konsumgüterbranche. Wieking von Morningstar sieht darin ein Problem: „Anleger sollten auf jeden Fall darauf achten, dass durch einen solchen Fonds keine Schieflage im Portfolio entsteht. Einen Jugendfonds als einzige Anlage hält er für riskant.

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