Microsoft : Bill Gates: Schlussakkord vom Meister

Bill Gates, Gründer des Softwarekonzerns Microsoft, hat sich von der Bühne verabschiedet. Auf der Unterhaltungselektronikmesse in Las Vegas versuchte er sich in seiner letzten Eröffnungsrede noch einmal als Visionär und Erfinder.

Henrik Mortsiefer
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Coolness war nie seine Stärke. Bill Gates (re.) mit Gitarrist Slash. -Foto: AFP

Berlin - Barack Obama und Hillary Clinton übermittelten Abschiedsgrüße per Video, Chris Weber von der Rockband Guns N’ Roses und George Clooney sagten good-bye. Bill Gates, 52, Gründer und Aufsichtsratschef des Softwarekonzerns Microsoft, hat sich am Sonntagabend mit einem rauschenden Fest von der großen Bühne verabschiedet. Ähnlich wie vor Jahren Ex-US-Präsident Bill Clinton verabschiedete sich Gates auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas mit einem selbstironischen Video, in dem er sein Büro räumt und sich vergeblich nach einem neuen Job umsieht. Im Sommer wird sich der steinreiche Software-Pionier wie angekündigt aus dem Tagesgeschäft zurückziehen und sich mit seiner Frau der gemeinsamen Stiftung widmen, die ein Vermögen von fast 38 Milliarden Dollar (knapp 26 Millionen Euro) verwaltet.

Auf der Unterhaltungselektronikmesse versuchte sich Gates in seiner letzten Eröffnungsrede noch einmal als Visionär und Erfinder. Das erhoffte Feuerwerk wegweisender neuer Produkte blieb allerdings aus. Gates begnügte sich mit wenigen Neuheiten – und blumigen Prognosen. Ein „zweites digitales Jahrzehnt“ werde anbrechen, sagte er vor 4000 Zuhörern. Neue, nutzerfreundliche Technik, hoch aufgelöste Bilder und soziale Plattformen im stationären oder mobilen Internet würden die Welt noch stärker als in der ersten digitalen Dekade vernetzen. Produktiver und zufriedener würden die Menschen in Zukunft sein. „Alles wird miteinander verbunden sein, man wird es einfach als selbstverständlich betrachten“, sagte Gates, der Microsoft 1975 mit seinem Jugendfreund Paul Allen gegründet hat. Alle Medien und Unterhaltungsgeräte würden digital betrieben. „Der Trend ist eindeutig.“

Um zu belegen, dass Microsoft diesen Trend maßgeblich beeinflusst, präsentierte Gates Zahlen: Das neue Betriebssystem „Windows Vista“ werde heute von 100 Millionen Menschen genutzt, „ Windows Mobile“ laufe derzeit auf 20 Millionen verkauften Mobiltelefonen, „Windows Live“, Microsofts Familie von Onlinediensten, habe 420 Millionen Nutzer. Robbie Bach, der als der kommende starke Mann bei Microsoft gilt, demonstrierte die wenigen technischen Neuheiten, darunter ein optisches Erkennungssystem für ein Handy, das Personen anhand des Gesichts identifiziert und die dazugehörigen Kontakt- und Dialoginformationen herstellt. Sprache und Gesten würden in Zukunft die Bedienung von Computern und anderen Elektronikgeräten einfacher machen, sagte Gates. Menschliches Zutun sei dabei in Zukunft häufig gar nicht mehr nötig, weil sich die Geräte automatisch austauschen könnten, zum Beispiel bei der Übertragung von Fotos von der Kamera zum PC.

Diese Prognose hat Gates in den vergangenen Jahren bereits wiederholt abgegeben und die Hoffnungen dafür vor allem mit Microsoft-Produkten verbunden. Doch in der Branche gelten eher Produkte wie das iPhone von Apple und die Spielekonsole Wii von Nintendo als Vorreiter. Berührungsempfindliche Displays sowie der Einsatz von Sprachsteuerung sind schon seit längerem auf dem Markt.

Microsofts iPod-Konkurrent Zune soll nach den Worten von Bill Gates künftig auch außerhalb der USA verkauft werden – vorerst allerdings nicht in Europa. Der MP3-Player erhält zudem neue Funktionen, die ihn attraktiver als das Erfolgsmodell von Apple machen sollen. So können über die Onlinefunktion „People powered music discovery“ persönliche Listen mit Musikstücken auf der Netzwerkplattform „The Zune Social“ ausgetauscht werden.

Seinen Abschied in Las Vegas krönte Bill Gates am Sonntagabend mit einem Gitarrenduell mit Manager Robbie Bach. An der Seite des Gitarristen Slash, der ihn professionell unterstützte, wirkte Gates dabei in Strickpulli und Anzughose gewohnt uncool. Der dreifache Familienvater kann es sich leisten: Er beendet die Microsoft- Ära mit einem Privatvermögen in Höhe von geschätzt 60 Milliarden Dollar.

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