Microsoft-Chef Berg : „Wir wollen eine wichtige Rolle spielen“

Das Bedürfnis nach „Vernetzter Unterhaltung“ wird alles verändern, sagt Microsoft-Chef Berg.

Herr Berg, was macht Sie so sicher, dass die Menschen jetzt auch einen Computer im Wohnzimmer haben wollen?

Um einen Computer ins Wohnzimmer zu bringen, muss ich einen konkreten Nutzen haben. Um meine E-Mails zu lesen, werde ich den Computer nicht ins Wohnzimmer stellen. Das Bedürfnis nach „Vernetzter Unterhaltung“ wird alles verändern. Denken Sie zum Beispiel an die immer stärkere Nutzung von Digitalfotografie. Jeder Deutsche hat im Schnitt 1600 Digitalfotos. Die müssen ja irgendwo gezeigt werden. Und das geht doch besser auf dem großen Bildschirm als auf dem PC. Aber auch die anderen digitalen Inhalte – Videos, Musik, Spiele –, die ich irgendwo im Haus auf dem PC gespeichert habe, kann ich auf dem Fernseher anschauen. Das ist ein Grund dafür, dass der PC oder ein anderes intelligentes Endgerät immer mehr ins Wohnzimmer wandert.

Viele Menschen hatten schon Probleme, ihren Videorekorder zu programmieren ...

Die neuen Geräte sind einfacher zu bedienen. Beim PC haben Sie eine einfache Bedienleiste und klicken an: ZDF, 17.45 Uhr, aufnehmen – und er nimmt auf.

Welche Wachstumschancen sehen Sie im Bereich Home-Entertainment?

Gemessen an rund 51 Milliarden Dollar Jahresumsatz in der Microsoft Corporation macht der Bereich Entertainment und Online Services mit rund 8,5 Milliarden Dollar Umsatz bislang nur einen relativ kleinen Teil aus. Er wächst aber sehr stark. Eine konkrete Prognose über das zukünftige Wachstum möchte ich nicht abgeben. Aber der Weg ins Wohnzimmer ist die Zukunft, es gibt keine Alternative. Das Zusammenwachsen von IT und Unterhaltungselektronik ist nicht aufzuhalten. Die Frage ist nur: Wer gewinnt?

Also wer?

Es gibt in bestimmten Bereichen interessante Player. Aber wir sind der Einzige, der auf allen Feldern signifikant mitspielt, egal ob Kommunikation, Entertainment oder Gaming. Wir sind gut aufgestellt, und das macht mich sehr, sehr sicher, dass wir auf dem Markt für Home- Entertainment eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle spielen werden.

Während der Ifa werden Sie einen Showroom auf dem Kurfürstendamm haben. Warum gehen Sie nicht auf die Messe?

Wir haben uns in diesem Jahr sehr stark auf die Cebit konzentriert. Das hat sehr gut funktioniert. Das Konzept der Ifa, jetzt auch mit dem neuen jährlichen Rhythmus, müssen wir uns jetzt einmal anschauen. Eine Messe muss etwas bringen. Unsere Erfahrung aus dem ersten Showroom hat gezeigt, dass es uns wichtiger ist, die Leute auch einmal 20 Minuten vernünftig durch unsere Produkte durchführen zu können – alles zu zeigen, alles zu erklären. Da ist eine Messe ungeeignet, weil dort die Massen durchgehen. Doch unsere Entscheidung gegen die Ifa muss keine Entscheidung für immer sein.

Zur Spielemesse Games Convention haben Sie den Preis für die Konsole Xbox gesenkt. Macht Ihnen der Konkurrent Nintendo so scharfe Konkurrenz?

Die Xbox ist jetzt seit Ende 2005 am Markt. Noch nie wurde der Preis einer Konsole länger gehalten, als wir das bei der Xbox konnten. Und natürlich hilft uns die Preissenkung im Wettbewerb zu Nintendo und gegenüber Sony. Ich möchte sagen, es ist ein normaler Prozess und guter Zeitpunkt, vor Beginn der Games Convention hier ein Signal in den Markt zu geben.

Welche Pläne haben Sie in Deutschland?

Microsoft-Chef Steve Ballmer sieht Deutschland als eines der fünf wichtigsten Länder. Er hat uns gebeten, uns Gedanken zu machen, wie wir in Deutschland noch stärker wachsen können, durch richtige Investments. Wir sind gerade dabei, ein Programm aufzusetzen, bei dem wir uns anschauen, in welchen Bereichen können wir stärker wachsen und wo lohnt es sich, deutlich zu investieren? Den Plan werden wir Ende dieses Jahres in Amerika vorstellen und dann auch umsetzen. Dass wir in Deutschland vermehrt investieren wollen, ist entschieden. Nicht entschieden ist, in welchen Bereichen.

Achim Berg (43),

ist seit dem 1. Februar Chef von Microsoft Deutschland. Zuvor verantwortete er im Vorstand der Telekom- Tochter T-Com das Marketing. Mit ihm sprach Corinna Visser.

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