Microsoft goes Handy : Smart und sehr jung

Bisher stellt er nur Betriebssysteme für Handys her, nun soll ein eigenes Mobiltelefon dazukommen: Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft will mit einer Modellreihe für junge Nutzer in den hart umkämpften Handymarkt einsteigen und Mobiltelefone unter eigenem Namen vermarkten.

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Handymarkt. Microsofts Chef Steve Ballmer will nun auch mitmischen. -Foto: AFO

Berlin - Nach Informationen des „Wall Street Journal“ sollen die ersten Microsoft-Handys noch diesen Monat in den USA auf den Markt kommen und über den US-Provider Verizon Wireless vertrieben werden. Microsoft soll im Rahmen des Projektes „Pink“ Software, Onlineservices und die Hardware für das neue Gerät entworfen haben, produziert wird es aber voraussichtlich vom japanischen Elektronikhersteller Sharp. Weitere Details will Microsoft am kommenden Montag auf einer Pressekonferenz bekannt geben.

Nach Angaben der Wirtschaftsagentur „Bloomberg“ haben die Geräte Ähnlichkeit mit dem von T-Mobile in den USA vertriebenen Smartphone Sidekick. Diese Geräte verwenden ein Betriebssystem der Firma Danger Inc., mit dem E-Mails und Nachrichten verschickt werden können und in abgespeckter Version auch das Surfen im Web genutzt werden kann. Microsoft hatte die Firma Danger 2008 gekauft. Auch in Deutschland konnte Sidekick über die Mobilfunkanbieter T-Mobile und E-Plus (unter dem Namen Hiptop) bis Ende 2009 genutzt werden. Seitdem hat Danger den Dienst hierzulande aus Kostengründen eingestellt.

„Das neue Handy ist nicht die Antwort auf das iPhone“

Mit den neuen Telefonen vollzieht Microsoft nach Einschätzung von Branchenexperten jedoch in seiner Strategie für den Handymarkt keine Kehrtwende. „Das neue Handy ist nicht die Antwort auf das iPhone“, sagt Lutz Labs, Mobilfunkexperte bei der Computerzeitschrift „CT“. Sollte das Gerät tatsächlich als Nachfolger des Sidekick dienen, sei es eher einfach aufgebaut. Zudem soll es nicht mit dem aktuellen Betriebssystem Windows Mobile laufen, sondern mit einer abgespeckten Version. „Vermutlich wird es keine Windows-Mobile-Anwendungen für das neue Gerät geben“, sagt Labs. Das Handy, das sich vorwiegend an jüngere Nutzer wendet, soll in erster Linie auf den Zugang zu sozialen Netzwerken, E-Mails und Messaging ausgerichtet sein. „Mit diesem Handy soll die Kommunikation des Nutzers in Netzwerken in den Vordergrund gestellt werden“, sagt Internetexperte Florian Koch vom Branchenverband Bitkom. Damit gehe Microsoft weg von der reinen Businessnutzung der Smartphones. „In der Bedienung könnte dieses Handy verspielter sein, auch weil junge Nutzer andere Anforderungen an Geräte stellen“, sagt Koch. Preislich könne das neue Gerät zwischen Smartphone und normalem Handy liegen. Generell steige der Bedarf nach Mobiltelefonen, mit denen mobile Internetnutzung möglich sei.

Wichtiger für Microsoft bleiben aber weiterhin die Betriebssysteme, die der Konzern an Handyhersteller verkauft. Im Februar hatte das Unternehmen die Software Windows Phone 7 vorgestellt, die noch in diesem Jahr verkauft werden soll. „Damit will Microsoft Marktanteile zurückerobern“, sagt Labs. Denn der Konzern leidet unter der Konkurrenz der Anbieter Google und Apple. Google vertreibt unter dem Namen Nexus One ein Smartphone mit Android-Betriebssystem selbst exklusiv über das Internet und geht damit nicht wie Microsoft über Netzbetreiber. Nach jüngsten Marktanalysen des Beratungsunternehmens Com Score konnte Google mit Android zwischen November 2009 und Februar 2010 im amerikanischen Markt seinen Marktanteil bei Smartphones von 3,8 auf neun Prozent steigern. Microsoft sackte im gleichen Zeitraum um vier Prozentpunkte ab und rangiert mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent auf dem dritten Platz. Marktführer sind weiterhin der Blackberry-Hersteller RIM mit 42,1 Prozent Marktanteil und Apple mit seinem iPhone mit 25,4 Prozent.

Noch ist nicht bekannt, ob Microsoft die Geräte auch in Europa auf den Markt bringen will. Vorerst könnten die amerikanischen Geräte hier nicht genutzt werden, sagt Mobilfunkexperte Labs. „Sie nutzen einen völlig anderen Übertragungsstandard.“ (mit dpa)

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