Wirtschaft : Microsoft hofft auf bessere Stimmung

Konzern will Dialog mit EU-Kommission intensivieren

Corinna Visser

Berlin - Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft hofft auf eine bessere Zusammenarbeit mit der neuen Europäischen Kommission – und auf eine schnelle Einigung im Kartellstreit. „Wir wollen mit der EU-Kommission ebenso vertrauensvoll zusammenarbeiten wie mit den amerikanischen Behörden“, sagte Pamela Passman, Leiterin Corporate Affairs von Microsoft dem Tagesspiegel. „Noch haben wir das nicht erreicht. Aber wir wollen den Dialog intensivieren.“ Der frühere Wettbewerbskommissar Mario Monti sei besonders anspruchsvoll gewesen, sagte die Microsoft-Lobbyistin. Offenbar hofft Microsoft auf mehr Verständnis bei seiner Nachfolgerin Neelie Kroes.

Die EU wirft dem Softwarekonzern Microsoft vor, seine starke Marktposition bei PC-Betriebssystemen zu missbrauchen und damit gegen die Wettbewerbsregeln der EU verstoßen zu haben. Im März 2004 hatte die Kommission gegen den Softwarekonzern eine Geldstrafe in Höhe 497 Millionen Euro sowie Auflagen verhängt – etwa das Betriebssystem Windows XP ohne den Mediaplayer auszuliefern. Das Geld hatte Microsoft bezahlt, aber gegen die Auflagen geklagt. Erst kürzlich hatte Microsoft jedoch erklärt, der EU-Kommission bezüglich der Umsetzung der Auflagen noch weiter entgegenkommen zu wollen.

„Unser Fokus liegt zurzeit darauf, die Auflagen zur vollsten Zufriedenheit umzusetzen. Wir haben die Anmerkungen der Wettbewerbsbehörde, die sich aus der Befragung von Industrievertretern ergeben haben, aufgegriffen und eine Reihe von Vorschlägen zur weiteren Umsetzung der Maßnahmen unterbreitet. Dazu wird es nun weitere Gespräche geben“, sagte Passman. Auch wenn gegenwärtig keine Einigungsverhandlungen mit der Kommission geführt würden, liege es im gemeinsamen Interesse, die Auseinandersetzung so schnell wie möglich beizulegen. Vor den europäischen Gerichten könne sich der Prozess noch Jahre hinziehen. „Wir hoffen deshalb, dass wir uns außergerichtlich mit der EU-Kommission einigen können.“

Dabei käme der deutschen Regierung als Vertretung des größten Mitgliedslands eine wichtige Rolle zu. Positiv stimme sie, dass Deutschland inzwischen viel stärker auf einen Dialog mit dem US-Konzern eingestellt sei. Auch Microsoft habe dazugelernt: „Wir sind besser geworden – im Zuhören und im Verstehen“, sagte Passman.

Als eine der größten Herausforderungen für den Softwarekonzern bezeichnete Passman das Thema Sicherheit im Internet. „Wir haben erkannt, dass wir Teil der Lösung dieses Problems sein müssen.“ Passman räumte Versäumnisse in der Vergangenheit ein, Microsoft hätte sich bereits früher stärker auf das Thema Sicherheit fokussieren sollen. Inzwischen gelte aber: „Sicherheit hat bei uns oberste Priorität.“ Von seinem Budget für Forschung und Entwicklung von jährlich sieben Milliarden Dollar, investiere der Konzern allein zwei Milliarden Dollar in den Bereich Sicherheit.

Bereits seit zehn Jahren setze Microsoft Ermittler ein, deren Aufgabe zunächst das Aufspüren von Fälschern war. Immer mehr richte sich der Fokus der Ermittler jetzt auf organisierte Kriminalität: Das Ausspähen, den Diebstahl und den Missbrauch persönlicher Daten von Internetnutzern bezeichnete Passman als eine der aktuell größten Bedrohungen im Netz.

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