Wirtschaft : Microsoft irritiert die Börse

Weltgrößter Softwarekonzern steigert Umsatz und Gewinn deutlich – aber der zurückhaltende Ausblick belastet den Kurs

Bernd Hops

Berlin - Die Geschäfte von Microsoft, dem weltgrößten Softwarekonzern, laufen gut. Für das erste Quartal (Juli bis September) des laufenden Geschäftjahrs meldete das US-Unternehmen am späten Donnerstagabend in Redmond einen deutlichen Umsatzzuwachs auf 9,19 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ergab sich damit ein Plus von sechs Prozent. Der Betriebsgewinn kletterte um 16 Prozent auf 4,05 Milliarden Dollar. Positiv wirkten sich ein starker Anstieg beim PC-Absatz und bei Serversoftware aus. „Wir hatten einen guten Start in ein für das Unternehmen wichtiges Jahr. Wir sehen weiterhin eine gesunde Nachfrage nach unseren Produkten“, sagte Chris Liddell, Microsofts Finanzchef.

Die Börse nahm die Steigerungen zurückhaltend auf. Die Aktie sank am Freitag zunächst und konnte sich erst am Nachmittag erholen. Vor allem die aus Sicht von Analysten als konservativ angesehene Umsatzprognose für das zweite Quartal drückt auf die Stimmung. Teilweise senkten die Experten ihre Einschätzung der Aktie, weil sie sich mehr erwartet hatten. Auch die Ankündigung des Konzerns half da nichts, sein Aktienrückkaufprogramm, in das noch 19 Milliarden Dollar gesteckt werden sollen, spätestens im Dezember 2006 abzuschließen – doppelt so schnell wie ursprünglich geplant.

Microsoft ist zwar mit seinem Betriebssystem für Computer Windows und insbesondere seinen Programmen für die Büroarbeit wie Word unangefochtener Marktführer, sieht sich aber immer neuen Allianzen der Konkurrenz ausgesetzt. Bei Betriebssystemen setzt den Konzern das kostenlose Programm Linux unter Druck. Bei der Textverarbeitung haben zuletzt der Softwarehersteller Sun und der Internetkonzern Google eine Zusammenarbeit bei der Verbreitung eines kostenlosen Programms vereinbart. Von den Behörden wird Microsoft wiederum wegen seiner großen Marktmacht besonders kritisch beäugt.

Deshalb muss sich der US-Konzern neben den beiden wichtigsten Produkten weitere Geschäftsfelder aufbauen. Dazu gehören die Spielkonsole Xbox (siehe Kasten) und der Internetdienst MSN beziehungsweise der Versuch, eine eigene starke Internetsuchmaschine zu etablieren. Im zweiten Quartal, in dem auch die neueste X-Box am Markt eingeführt werden soll, rechnet Microsoft mit einem Gewinnanstieg von sechs bis sieben Prozent. Das ist weniger, als Analysten bisher geschätzt hatten. Auch bei den Verkaufserwartungen für die neue Xbox ist Microsoft zurückhaltender.

Da Microsoft in den vergangenen Quartalen seine konservativen Prognosen getroffen habe, sei diesmal ebenfalls zu erwarten, dass die konservative Einschätzung keine Strategie sei, sagte Norbert Kretlow, Analyst bei Independent Research, dem Tagesspiegel. „Microsoft muss sich neu erfinden“, sagte der Experte. Der Grund ist das zurückgehende Wachstum bei den bisher wichtigsten Produkten. Am Markt sorge aber zum Beispiel für Unsicherheit, dass es Microsoft trotz seiner großen Ressourcen bisher nicht geschafft habe, eine eigene starke Suchmaschine gegen Google und Yahoo zu etablieren.

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