Microsoft kauft Skype : Telefonanschluss für sechs Milliarden Euro

Microsoft schlägt Google und Facebook im Bieterwettstreit und übernimmt den Internet-Dienst Skype. Es ist der größte Zukauf des Windows-Riesen.

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Schön, dass du vorbeischaust. Bildtelefone gab es schon in den 60er Jahren. Richtig durchgesetzt hat sich das Prinzip allerdings erst mit dem Siegeszug des Internets. Foto: picture-alliance / Mary Evans Pi
Schön, dass du vorbeischaust. Bildtelefone gab es schon in den 60er Jahren. Richtig durchgesetzt hat sich das Prinzip allerdings...Foto: picture-alliance / Mary Evans Pi

Berlin - So viel Geld hat Microsoft noch nie ausgegeben: Für 8,5 Milliarden Dollar (5,9 Milliarden Euro) kauft der Softwarekonzern den Internettelefondienst Skype. Das gaben die beiden Unternehmen überraschend am Dienstag bekannt. Damit sticht Microsoft die Konkurrenten Facebook und Google aus, die offenbar ebenfalls Interesse an dem Internettelefondienst hatten. „Skype ist ein fabelhafter Service, der von Millionen Menschen rund um die Welt geschätzt wird“, sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer. Skype-Chef Tony Bates soll den neuen Geschäftsbereich Microsoft Skype leiten.

Über Jahrzehnte hinweg war Microsoft es gewohnt, die Nummer eins zu sein. Bei PC-Software ist diese Position nach wie vor unangefochten. Windows ist weiterhin die dominierende Plattform auf Computern weltweit – und für Microsoft eine Geldmaschine. Doch die Zeiten ändern sich. Im Internet zeigen Unternehmen wie Google oder Facebook, wo es langgeht. Und Konkurrent Apple hat es nicht nur geschafft, mit dem iPhone den Handymarkt umzukrempeln, sondern gefährdet nun mit dem erfolgreichen Tablet-Computer iPad das Kerngeschäft von Microsoft. Der klassische PC verliert an Bedeutung, schlanke mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets ersetzen ihn an vielen Stellen. Doch bei Smartphones, wo Microsoft einst Pionier war, hat das Betriebssystem Windows Phone nur geringe Marktanteile. Eine Allianz mit dem – schwächelnden – Handyhersteller Nokia soll das in Zukunft ändern.

Noch ist Microsoft in einer komfortablen Lage: Der operative Gewinn lag in dem Ende März abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal bei 5,7 Milliarden Dollar. Gut 2,7 Milliarden trug die Windows-Sparte bei, mehr als 3,1 Milliarden kamen von dem Bürosoftware-Bereich mit seinen Office-Lizenzen. Im Internet verlor Microsoft dagegen weiterhin Geld: mehr als 700 Millionen Dollar. Den Preis für Skype kann sich das Unternehmen bei Barmitteln von knapp 50 Milliarden Dollar locker leisten, auch wenn viele Analysten ihn für zu hoch halten. Immerhin verdient Skype kein Geld. Als Facebook und Google noch als mögliche Erwerber galten, war über einen Kaufpreis von drei bis vier Milliarden Dollar spekuliert worden.

„Der Preis ist zu hoch angesetzt“, sagt Markus Friebel, Analyst bei Independent Research, auch wenn Skype eine hohe Marktmacht habe und für Microsoft auch wertvoller sei als für die anderen Interessenten. Mit Skype auf Windows- Smartphones hätten Microsoft und Nokia nämlich ein fertiges Gegenangebot zu Apples Video-Telefondienst Facetime. Auch Google hat bereits ein eigenes System, Google Talk.

Großes Potenzial für Skype unter dem Dach von Microsoft sieht der Analyst vor allem durch die mögliche Integration des Dienstes in die Office-Software. „Mit dem Angebot von Videokonferenzen für Geschäftskunden lässt sich gutes Geld verdienen“, sagt Friebel. Privatkunden will Microsoft Skype nicht nur auf Smartphones, sondern zum Beispiel auch auf seiner Spielekonsole Xbox anbieten. Das Geschäft mit Privatkunden und billigen Telefonaten hält Friebel jedoch für ausgereizt. „Insgesamt wird es für Microsoft nicht einfach werden, den hohen Einkaufspreis in gute Gewinne umzumünzen“, meint der Analyst.

Die ersten Videotelefonsysteme hat es bereits in den 60er Jahren gegeben. Doch der Erfolg blieb lange aus. Das Problem ist, dass solche Systeme zunächst sehr teuer sind und in der Anfangsphase kaum Nutzen stiften, weil es noch keine Teilnehmer gibt. Doch inzwischen nutzen immer mehr Unternehmen professionelle Videokonferenzsysteme, mit denen sich so manche teure Geschäftsreise sparen lässt. Auch für Privatkunden wird Videotelefonie immer attraktiver: Die Software ist kostenlos und die technischen Voraussetzungen sind auf immer mehr Rechnern und Smartphones vorhanden.

Auch Facebook wird wohl von dem Microsoft-Deal profitieren. Da der Softwarekonzern einen kleinen Anteil am erfolgreichen sozialen Netzwerk besitzt, ist es denkbar, dass Skype und Facebook enger vernetzt werden.

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