Wirtschaft : Microsoft lockt Firmen

Konzern entwickelt Software für den Mittelstand

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Frankfurt am Main Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft will in Deutschland den Umsatz mit Unternehmenssoftware innerhalb der „nächsten drei Jahre vervierfachen“. Das sagte Microsoft-Deutschland-Chef Jürgen Gallmann in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Wie hoch die Umsatzlatte für die Sparte mit dem Titel Microsoft-Business-Solutions in Zahlen liegt, wollte Gallmann nicht exakt beziffern. Doch werde es „in Deutschland nur wenige Anbieter geben, die in diesem Bereich vergleichbare Umsätze machen werden“, kündigte Gallmann an. Ähnlich ambitionierte Pläne bestehen seiner Aussage zufolge für Frankreich und Großbritannien.

Damit will Microsoft den deutschen Softwaremarktführer SAP nun auf seinem Heimatmarkt angreifen. SAP ist derzeit das weltweit führende Unternehmen für Firmensoftware. Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte vor wenigen Tagen jährliche Investitionen in die Sparte in Höhe von 850 Millionen Dollar angekündigt und das Ziel bekräftigt, Marktführer für Unternehmenssoftware werden zu wollen. Bisher macht das Unternehmen den Löwenanteil seines Geschäfts mit Software für Personal-Computer. Dieser Markt aber wächst seit Jahren immer langsamer. Daneben ist das Unternehmen noch auf dem Markt für Spielekonsolen aktiv.

Von den großen Softwareunternehmen bisher kaum beachtet, ist dagegen der Markt für Unternehmenssoftware bei kleinen und mittleren Unternehmen deultich gewachsen. Hierauf will sich Microsoft konzentrieren. Das Unternehmen hat dafür verschiedene Software-Pakete entwickelt, die für Finanzbuchhaltung, Personal- und Auftragsabwicklung geeignet sind. Seit Anfang des Jahres ist die Kundenmanagement-Lösung Microsoft CRM auf dem Markt. Das Engagement wird hunderte regionaler Softwareunternehmen treffen, die den Mittelstand mit teilweise individuellen Lösungen beliefern.

Doch auch Wettbewerber aus dem Großkundenbereich wie die Unternehmen Peoplesoft und SAP wollen in diesem Markt auf Kundenjagd gehen. Peoplesoft hat sich im vergangen Jahr den auf Mittelstandskunden spezialisierten Anbieter J.D. Edwards einverleibt, SAP versucht seit einiger Zeit mit seiner Softwarelösung „Business One“ im Mittelstand zu punkten.

Um schlagkräftiger zu werden, will Microsoft die Zahl der Partner, die mit Microsoft-Technologie Branchenlösungen entwickeln, von derzeit 300 weiter aufstocken. Allerdings knirscht es zwischen dem Softwarekonzern und seinen Partnern. Viele Systemhäuser sorgen sich, wie stark Microsoft selbst als Lösungsanbieter auftreten will – und so zum Konkurrenten der eigenen Partner würde.

Auch nach dem Scheitern der geheimen Kaufverhandlungen mit SAP sind Übernahmen für Microsoft offensichtlich weiterhin eine Wachstumsoption. Wer glaube, Microsoft sei „die finanzielle Puste für größere Übernahmen“ ausgegangen, täusche sich, sagte Deutschland-Chef Gallmann. So müssten Übernahmen nicht ausschließlich auf den Kernmarkt Softwareproduktion beschränkt sein. „Wir beobachten auch sehr genau angrenzende Branchen, in denen Software eine große Rolle spielt.“

Gallmann machte deutlich, dass Deutschland trotz der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Lage für Microsoft einer von weltweit sieben Schlüsselmärkten ist, „auch wenn Microsoft Deutschland im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht alle Ziele erfüllt hat“. Microsoft hat im Geschäftsjahr 2004 (das am 30. Juni endete) rund 36 Milliarden Dollar umgesetzt und dabei einen Nettogewinn von 8,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der Anteil mit Unternehmensprogrammen fiel mit 667 Millionen relativ dürftig aus. tnt/HB

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