Wirtschaft : Microsoft-Präsident Belluzzo tritt überraschend zurück

Nach nur einjähriger Amtszeit hat der Betriebschef und Präsident des Softwarekonzerns Microsoft, Rick Belluzzo, überraschend seinen Rücktritt erklärt. Beluzzo werde zum 1. Mai seinen Stuhl räumen, aber bis September noch als Berater tätig bleiben, bestätigte eine Microsoft-Sprecherin am Mittwoch. Der 48-jährige Chief Operating Officer (COO) begründete seine Entscheidung mit einer Neuorganisation der Konzernstruktur. Microsoft will Belluzzos Stelle auch nicht neu besetzen.

Mit der Reorganisation des Unternehmens werde das Amt des Präsidenten weniger notwendig, sagten Belluzzo und Unternehmenschef Steve Ballmer laut "Wall Street Journal" in einem gemeinsamen Interview. Künftig sollen die zentralen Geschäftsbereiche von Microsoft wie Betriebssysteme und Office-Anwendungen größere Verantwortung für ihre Betriebsführung erhalten. Bisher waren diese Geschäftsbereiche Belluzzo unterstellt.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern würde dies die Aufteilung des Konzerns in einzelne Unternehmen erleichtern. Genau das war im Kartellverfahren gegen Microsoft in erster Instanz verlangt, vom Berufungsgericht dann aber wieder aufgehoben worden. Nach Angaben des Unternehmens stehe die Neuorganisation in keinem Zusammenhang zu dem immer noch nicht abgeschlossenen Kartellverfahren.

Belluzzo hatte für Microsoft das Internetportal MSN ausgebaut. In seiner Amtszeit startete auch der Verkauf der Spielekonsole X-Box. Belluzzo sollte vor allem dem Unternehmenschef Ballmer das Tagesgeschäft abnehmen. Ballmer wollte sich stärker auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens konzentrieren, hieß es bei der Ernennung Belluzzos zum Microsoft-Präsidenten.

Dass Belluzzo sein Amt jetzt verlässt und auch kein Nachfolger ernannt wird, sehen Beobachter als Bestätigung für die Unfähigkeit der Microsoft-Doppelspitze von Bill Gates und Steve Ballmer, einen starken dritten Vorstand neben sich zu haben.

Rick Belluzzo galt nach Einschätzung des Analysten Rob Enderle von der Giga Information Group als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Steve Ballmer im Amt des Vorstandsvorsitzenden. Er selbst habe dies jedoch nie angestrebt, erklärte Belluzzo.

Belluzzo kam im September 1999 zu Microsoft und wurde Anfang 2001 an die Konzernspitze berufen. Zuvor war Belluzzo 23 Jahre bei Hewlett Packard beschäftigt. Dort arbeitete er sich bis zur Nummer zwei im Unternehmen hoch. Anfang 1998 wechselte er dann zu Silicon Graphics.

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