Wirtschaft : Microsoft spielt Sony aus

Die Spielekonsole Xbox 360 kommt früher auf den Markt – eine Chance, um die Playstation3 abzuhängen

Kurt Sagatz

Berlin - Microsoft hat mit seiner neuen Spielekonsole Xbox 360 nach Einschätzung von Experten gute Aussichten, am Marktführer und Erzrivalen Sony vorbeizuziehen. „Vor allem durch den früheren Marktstart seiner neuen Xbox 360 bereits zum Weihnachtsgeschäft hat Microsoft gute Chancen, sich schnell eine hinreichend große Hardwarebasis zu schaffen, um dann mit attraktiven Spielen Geld zu verdienen“, sagt Hardy Dreyer vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg.

Vor wenigen Tagen haben die drei großen Hersteller von Videokonsolen in Los Angeles auf der Entertainment-Messe E3 die Geräte der nächsten Generation vorgestellt. Neben der Xbox 360 von Microsoft wurden erstmals die neue Playstation3 von Sony sowie ein Prototyp des neuen Nintendo-Geräts Revolution gezeigt. Sie haben noch bessere Spieleigenschaften und werden immer mehr zu Multimedia-Zentralen fürs Wohnzimmer.

„Neben Ersatzkäufen für ältere Konsolen wird es viele neue Kunden geben, die sich zum ersten Mal ein Videospielgerät kaufen werden. Um diese Kunden zu gewinnen, spielt es eine große Rolle, ob man das Weihnachtsgeschäft verpasst oder nicht, auch wenn Sony das anders sieht, weil deren Playstation3 erst im nächsten Frühjahr auf den Markt kommt“, sagt Hardy Dreyer: „Ich rechne damit, dass der bisherige Marktführer Sony seinen Zenit überschritten hat und Microsoft deutlich Marktanteile aufholen wird.“ Auch der zeitgleiche Marktstart der Xbox 360 in Nordamerika, Europa und Japan ist nach seiner Ansicht ein geschickter Schachzug. Anders als bei Sonys Playstation Portable, die noch immer nicht in Europa zu kaufen ist, wird so schlechte Stimmung auf einem Teilmarkt vermieden. „Und die nötigen Produktionskapazitäten kann Microsoft sicher stemmen“, glaubt der Marktbeobachter.

Den Konsolenmarkt in den USA beherrschte 2004 Sony mit seiner Playstation 2. Sie kam auf einen Marktanteil von 43 Prozent, wie die Marktforscher von Jupiter Research ermittelten. Die Xbox von Microsoft erreichte 19 Prozent vor dem Game-Cube von Nintendo mit 14 Prozent. Bis 2010 soll sich dies Jupiter zufolge aber ändern: dann soll Microsoft auf 38 Prozent kommen, vor Sony mit 32 und Nintendo mit 22 Prozent.

„Total beeindruckt“ von der Leistungsfähigkeit der neuen Konsolen zeigt sich auch Martin Lorbeer von Electronic Arts (EA), dem weltgrößten Verlag für Computerspiele: „Wir erwarten durch die neuen Geräte eine erhebliche Marktbelebung nicht nur in der Zielgruppe der Hardcore-Spieler, sondern durch ganz neue Käuferschichten, die eine attraktive Wohnzimmer-Plattform für Spiele, Internet, E-Mail und Filme suchen.“ Allerdings seien die neuen technischen Möglichkeiten eine Herausforderung für die Entwickler. „Die neuen Geräte sind so leistungsfähig, dass nun tatsächlich fotorealistische Spiele möglich sind. Da können sie bei einem Basketballspieler die Schweißperlen tropfen sehen.“ Entsprechend groß ist der Aufwand bei der Programmierung: „Teams von hundert und mehr Leuten sind keine Seltenheit“, sagt Lorbeer.

Während somit die Markterwartungen für 2006 vielversprechend sind, rechnet die Branche für das laufende Jahr mit rückläufigen Umsätzen und Gewinnen. Vor allem für die älteren Konsolen, die zur Ablösung stehen, werden Umsatzrückgänge von zehn bis zwölf Prozent erwartet. „Dies wirkt sich auch auf die Spiele aus, bei denen bereits jetzt ein Trend zu preiswerten Titeln zu sehen ist“, sagt Dreyer.

Dies werde sich jedoch schnell ändern, je näher der Marktstart der neuen Xbox 360 rücke, sagt Dreyer. Er erwartet einen „heißen Herbst“ auf dem Videospiele-Markt. „Noch halten sich die Spiele-Verlage zurück, aber nach dem Sommer erwarte ich eine Vielzahl von Ankündigungen für das Microsoft-Gerät, darunter viele Crossmedia-Titel zu Hollywood-Titeln, aber auch zu erfolgreichen Fernsehserien und Gameshows.“

Verlage wie Electronic Arts sehen sich dafür gerüstet. Mit Titeln wie „Der Pate“ zu der gleichnamigen Filmtrilogie sollen gerade ältere Neuspieler für die Spielekonsolen interessiert werden.

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