Wirtschaft : Middelhoff baut Karstadt-Quelle um

Sanierung noch lange nicht abgeschlossen - Einzelhandelskonzern senkt Umsatz- und Ergebnisprognose

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Frankfurt am Main Mit einer weiteren Sanierungsrunde und einer neuen Führungsstruktur will der angeschlagene Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle seine Versandhandelstöchter wieder auf Kurs bringen. Der bisherige neunköpfige Vorstand der Versandhandelssparte wird aufgelöst. Das kündigte Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff am Donnerstag in Frankfurt am Main an.

Die Quelle AG und die Neckermann AG sollen in Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt und künftig getrennt geführt werden. „Damit setzen wir unsere Ankündigung um, flache und schnelle Führungsstrukturen zu schaffen“, fasste Middelhoff das Ergebnis seiner ersten 60 Tage als Vorstandschef des Essener Konzerns zusammen.

Gleichzeitig senkte Middelhoff die Prognosen für den Konzern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen werde in diesem Jahr nicht 500 Millionen Euro, sondern nur 350 Millionen Euro erreichen. Der Umsatz im Konzern werde im mittleren einstelligen Prozentbereich unter dem des Vorjahres bleiben. Die Börse reagierte wenig begeistert. Die Aktien waren zunächst für eine Stunde vom Handel ausgesetzt worden und verloren anschließend sechs Prozent.

Middelhoff hatte Ende Mai ein 100- Tage-Sofortprogramm angekündigt. Das Ziel: Den Konzern zu verschlanken. „So wie Karstadt-Quelle derzeit aufgestellt ist, ist das Konzerngeschäft kaum überschaubar und planbar“, sagte Middelhoff. Daher soll die Holding künftig nur noch aus vier Säulen bestehen: Dem stationären Einzelhandel, zu dem künftig auch das Immobiliengeschäft gehören soll, dem Versandhandel, dem Dienstleistungs- und dem Touristikbereich. Karstadt-Quelle ist zu 50 Prozent an Thomas Cook beteiligt.

Um den Versandhandel wieder in Schwung zu bringen, ist bereits Ende Mai eine Task-Force unter der Leitung von Harald Pinger, Finanzvorstand des Konzerns, eingerichtet worden. Pinger wird nun gemeinsam mit Michael Badke, ebenfalls bisher Vorstandsmitglied der Versandsparte, die Geschäftsführung von Quelle übernehmen. Die erste Bilanz von Pinger ist ernüchternd: „Die Lage im Versandhandel hat sich als deutlich komplizierter erweisen, als bisher angenommen“, sagte Pinger. Die bisher geplanten Sanierungsmaßnahmen, etwa der Abbau von rund 1500 Arbeitsplätzen, reichen offenbar nicht aus, um das Versandhandelsgeschäft wieder auf Kurs zu bringen. Daher habe man Kontakt mit der Arbeitnehmerseite aufgenommen und gemeinsam ein nachhaltiges Programm zur Zukunftssicherung verabredet, sagte Pinger. Die Verhandlungen darüber, die der Konzern mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und den Betriebsräten führen will, sollen bereits im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein. Ob weitere Stellenstreichungen geplant sind, wollte Middelhoff nicht sagen.

Allein im ersten Quartal 2005 verzeichnete die Versandsparte mit einem Umsatz von rund 1,74 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahresquartal ein Minus von 9,5 Prozent. Pinger will nun unter anderem das Sortiment deutlich verringern und spezifischer auf die Kundenzielgruppen ausrichten. Ein erster Schritt ist die Neugestaltung der Kataloge. Neckermann soll sich vor allem auf junge Kunden konzentrieren. Insgesamt will der Konzern die laufenden Kosten von 1,5 Milliarden Euro für das Versandgeschäft bis 2008 um 20 Prozent reduzieren.

Middelhoff kündigte an, weitere Konzernaktivitäten zu verkaufen: So sollen die Karstadthypothekenbank und das ABS-Programm verkauft werden. Dadurch will der Konzern 1,3 Milliarden Euro einnehmen – zusätzlich zu den 1,1 Milliarden Euro, die man sich von den bisher geplanten Verkäufen verspricht. Hier konnte Middelhoff Erfolge bekannt geben: So seien für die Wehmeyer-Fachgeschäfte sowie für die Karstadt-Fitnesscenter Käufer gefunden worden. Die Verkaufsverhandlungen für die Sinn-Leffers-Filialen sowie die 75 kleineren Warenhäuser sollen spätestens zum Ende des dritten Quartals abgeschlossen sein.

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