Wirtschaft : Middelhoff beginnt mit Umbau von Karstadt-Quelle

Am Donnerstag verhandeln Vorstand und Aufsichtsrat/Metro plant, Praktiker an die Börse zu bringen

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Berlin Der neue Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff macht bei der Umsetzung seines 100-Tage-Programms – das er vor knapp einem Monat angekündigt hatte – Tempo. An diesem Donnerstag werden Vorstand und Aufsichtsrat zusammenkommen, um über die Neustrukturierung des Konzerns zu beraten, wie der Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen erfuhr. Middelhoff will die einzelnen Aktiengesellschaften unterhalb der Holding – also die Neckermann AG, die Quelle AG und die Warenhaus AG – auflösen und in GmbHs umwandeln. Dadurch sollen die Planungs- und Abstimmungsprozesse vereinfacht werden. „Eine Neustrukturierung bedeutet auch, dass die Aufsichtsräte der einzelnen AGs abgeschafft werden und es nur noch einen Aufsichtsrat für den Gesamtkonzern geben wird“, hieß es in Unternehmenskreisen. Die GmbHs hätten dann nur noch Beiräte – deren Befugnisse sind allerdings wesentlich geringer als die eines Aufsichtsrats.

Auch die Verkaufsverhandlungen für die 75 kleineren Warenhäuser – für die bis zum Herbst ein Investor gefunden sein soll – kommen voran. Aus dem ursprünglichen Kreis von neun Interessenten seien vier Bieter ausgewählt worden, sagte ein Konzernsprecher. Im Rennen seien nur noch Investoren aus der Beteiligungsbranche, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Verhandlungskreise. Interessenten aus dem Handel, zu denen anfangs auch Peek&Cloppenburg sowie Lidl zählten, gebe es nicht mehr.

Karstadt-Quelle-Konkurrent Metro plant ebenfalls Veränderungen in der Konzernstruktur: Metro will sich möglicherweise über einen Börsengang von seinen 339 Praktiker-Baumärkten trennen. Um diese Option zu prüfen, habe man jetzt die Investmentbank JP Morgan eingeschaltet, sagte Konzernsprecher Jürgen Homeyer am Montag. Denkbar sei aber auch, dass man das Tochterunternehmen verkaufe oder am Ende doch behalten werde. „Erste Ergebnisse werden wir Ende dieses Jahres vorlegen können“, sagte Homeyer. Analysten schätzen den Wert der 339 Baumärkte derzeit auf 700 Millionen Euro.

Trotz eines verbesserten Geschäftsverlaufs der Baumärkte – Praktiker macht rund fünf Prozent des Konzernumsatzes aus – dürfte Metro wenig Interesse haben, die Kette zu behalten. Zum einen gibt es im Einkauf wenig Synergien, weil sich das Sortiment deutlich vom Warenangebot anderer Metro-Töchter wie Kaufhof, Media-Saturn oder Real unterscheidet. Zum anderen ist die Expansion von Praktiker ins Ausland deutlich kapitalintensiver als etwa die der Cash&Carry-Märkte. Denn meist ist in den C&C-Märkten die Ware schon nach wenigen Tagen verkauft, während die Rechnungen der Lieferanten erst nach mehreren Wochen zu begleichen sind. Über diese Lieferantenkredite finanziert Metro indirekt den Bau neuer Supermärkte. Bei den Baumärkten funktioniert das aber kaum. Dort liegen die Artikel meist auch noch im Regal, wenn das Zahlungsziel der Lieferanten längst überschritten ist.

Änderungen gibt es auch bei der MetroTochter Real: Der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung, Uwe Hölzer, hat sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Seine Aufgabe wird Metro-Vorstandsmitglied Stefan Feuerstein übergangsweise übernehmen. dro/csc (HB)

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