Wirtschaft : Middelhoff soll Millionen zahlen

Essen - Auf den früheren Chef des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, und drei weitere Ex-Vorstände kommt womöglich eine Schadenersatzzahlung in Millionenhöhe zu. Die vier Manager haben beim Verkauf eines Karstadt-Kaufhauses in Wiesbaden ihre Pflichten verletzt und müssen für den Schaden haften, entschied das Landgericht Essen in einem Urteil am Mittwoch. Die Höhe eines möglichen Schadenersatzes ließ das Gericht aber offen und wies ferner einen Teil der Klagen zurück.

Der Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch hatte vor Gericht von der früheren Führungsriege des Konzerns insgesamt 175 Millionen Euro wegen angeblich nachteiliger Verkäufe von fünf Karstadt-Immobilien gefordert. Arcandor war mit Töchtern wie der Kaufhaus-Kette Karstadt und dem Versandhändler Quelle 2009 pleitegegangen. Es handelte sich um die größte Insolvenz in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Arcandor-Management war unter anderem wegen seiner Immobiliengeschäfte in die Kritik geraten.

Middelhoffs Rechtsanwalt Winfried Holtermüller bestritt, dass überhaupt ein Schaden entstanden sei. Der Manager habe durch sein Verhalten sogar größere Nachteile vom Unternehmen abgewendet. Der Anwalt kündigte unmittelbar nach der Entscheidung Berufung beim Oberlandesgericht Hamm an. Der Rechtsstreit dürfte die Gerichte noch jahrelang beschäftigen. Das „Grundurteil“ der Essener Richter könnte nicht nur vom Oberlandesgericht Hamm, sondern auch vom Bundesgerichtshof überprüft werden. Erst danach würde die Höhe des Schadenersatzes verhandelt werden, der sich laut Gutachten zwischen 30 und 46 Millionen Euro bewegt. AFP/dapd

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