Wirtschaft : Middelhoffs Visionen

Der geplante Konzernumbau bei Karstadt-Quelle muss noch mit Arbeitnehmern abgestimmt werden

Dagmar Rosenfeld

Berlin - Der Plan des neuen Karstadt-Quelle-Chefs Thomas Middelhoff, den Essener Handelskonzern neu zu strukturieren ist offenbar mit den Arbeitnehmervertreter noch nicht abgestimmt. „Bislang handelt es sich nur um eine Ankündigung, ein Konzept dazu liegt uns noch nicht vor“, sagte am Freitag eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dem Tagesspiegel. Erst einmal müssten konkrete Konzepte vorgelegt werden, bevor überhaupt verhandelt werden könne, hieß es. Eine Neustrukturierung, wie sie Middelhoff am Donnerstag angekündigt hatte, ist also noch längst nicht beschlossene Sache.

Middelhoff hatte erklärt, er wolle die einzelnen Aktiengesellschaften unterhalb der Holding – also die Neckermann AG, die Quelle AG und die Warenhaus AG – auflösen und in GmbHs umwandeln. Die Idee ist nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr hatte es bei KarstadtQuelle im Rahmen des Sanierungsprogramms solche Überlegungen gegeben.

Dass die Arbeitnehmervertreter nun einer Umwandlung der Konzernstruktur zustimmen werden, ist jedoch unwahrscheinlich. Schließlich würden sie einen erheblichen Teil ihrer Mitbestimmungsrechte verlieren. Neckermann, Quelle und die Warenhaussparte haben als AG jeweils einen eigenen Aufsichtsrat, in dem auch die Arbeitnehmer vertreten sind. Würden die einzelnen Bereiche nun in GmbHs umgewandelt, würden auch die Aufsichtsräte aufgelöst werden. Laut Middelhoff gehe es darum, die Planungs- und Abstimmungsprozesse zu vereinfachen.

Der neue Vorstandschef des Konzerns gilt als enger Vertrauter der Quelle-Erbin und Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Schickedanz, die bislang etwa 47,4 Prozent an dem Karstadt-Quelle-Konzern hält, hat ihre Anteile in den vergangenen Tagen erneut erhöht. Der Pool kaufte in drei Schritten insgesamt rund 3,8 Millionen Karstadt-Quelle Aktien. Damit hält Madeleine Schickedanz derzeit rund 49 Prozent an dem Handelskonzern. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sie ihre Anteile weiter aufstocken wird.

Der Wechsel Middelhoffs an die Konzernspitze war nicht die einzige Personalie, die am Donnerstag verkündet wurde. Der bisherige Vorstand der Versandsparte, Arwed Fischer, musste gehen, seine Aufgaben hat nun Finanzchef Harald Pinger übernommen. Im Versandbereich, der im ersten Quartal 2005 ein deutliches Umsatzminus gemacht hat, soll nun das Vertriebskonzept geändert werden. Der Spezialversand soll ausgebaut, das Profil der Marken geschärft werden. „Wir wollen weg vom Universalisten, der alles für alle bietet“, sagte ein Quelle-Sprecher. Quelle und Neckermann müssten sich künftig wieder stärker voneinander unterscheiden. Quelle werde sich mit den Sortimenten klassische Mode sowie Technik und Möbel auf die „etablierte Familie“ konzentrieren. Im Sommer soll testweise der bisherige Hauptkatalog aufgeteilt werden – in einen Modekatalog mit einer Laufzeit von einem halben Jahr und in einen Technik/Möbel-Katalog, der ein Jahr gültig sein wird. Neckermann soll sich auf die jüngere Zielgruppe und die Sortimente Junge Mode sowie Junges Wohnen konzentrieren. mit dpa

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