Wirtschaft : Mieten und starten

Satellite Office bietet jedem ein eigenes Büro – mit Sekretärin und prestigeträchtiger Adresse

Axel Hildebrand
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Berlin - Eine Zeit lang hat Anita Gödiker gedacht, dass Sekretärinnen Unternehmerinnen sind. Sie dachte, dass jeder bereit ist, ein Risiko einzugehen, zumindest ein kleines. Anita Gödiker hat die Mitarbeiter ihrer Firma Satellite Office, einem Anbieter von Dienstleistungen rund ums Büro, am Unternehmenserfolg beteiligt. Wenn es gut lief und die Ziele erreicht wurden, bekam jeder ein kräftiges Plus auf das Grundgehalt. Wenn es nicht gut lief, gab es eben nur das Grundgehalt. Das Gehalt der Sekretärinnen und der anderen Mitarbeiter schwankte, aber im Schnitt standen sie mit der Beteiligung besser da als mit dem Standardgehalt.

Doch vor einem Jahr entschieden die Sekretärinnen sich überraschend für das feste Gehalt. Die Führungskräfte in der Firma blieben dagegen bei einer Umsatzbeteiligung. „Das ist wohl das deutsche Sicherheitsdenken“, meint Gödiker. Sie kann das nicht nachvollziehen. Vor zwölf Jahren hat sie ihre sichere Stelle als Geschäftsstellenleiterin bei Siemens aufgegeben, um sich selbstständig zu machen. Nun bietet sie Unternehmern fertig ausgestattete Büroräume in Berlin zur Miete an. Die können dann direkt mit ihrem eigentlichen Geschäft loslegen, anstatt sich um Bodenbeläge und Schreibtische eines eigenen Büros zu kümmern.

Zuerst eröffnete die Satellite Office GmbH ein Center in der Charlottenstraße, danach in der Friedrichstraße und ein weiteres gegenüber dem Roten Rathaus. Im vergangenen Jahr gründete sie ihr viertes Business Center, diesmal in einem Altbau auf dem Kurfürstendamm. Gödiker hat die Idee nicht erfunden. Aber in Berlin hat sie keiner so konsequent umgesetzt. Aus einem Start-Up- Unternehmen wurde der Marktführer in der Hauptstadt.

Die Firma hilft Unternehmen, ihre Bürokosten zu senken. Das Kalkül: Statt ein eigenes Büro zu unterhalten, mieten sich die Unternehmen Büroräume und nutzen diese samt Einrichtung exklusiv oder teilen sie. Trotzdem bekommt jeder ein Firmenschild am Eingang und eine eigene Telefonnummer. Eine Sekretärin ist für mehrere Parteien zuständig, meldet sich aber am Telefon mit dem jeweiligen Firmennamen. So können sich die Firmen die prestigeträchtigen Adressen auf die Visitenkarte drucken. Für den Mietzeitraum ist es „ihr Büro“.

Das lohne sich vor allem für Unternehmen, die viel administratives Personal wie Sekretärinnen oder Buchhalter auf der Gehaltsliste haben, sagt Gödiker. Und für jene, die ihre Flächen nicht voll auslasten. „In Deutschland stehen unglaublich viele Flächen leer“, sagt die Geschäftsführerin und meint damit nicht die Plattenbauten sozialistischer Bauart, die vereinsamt vor sich hin rotten. Sie redet von Büros, in denen nur drei Stunden am Tag gearbeitet wird, weil die Nutzer ansonsten auf Geschäftsreisen sind. Oder von Konferenzräumen. Gödiker schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Konferenzräume werden oft nur alle paar Wochen einmal genutzt und vernichten ansonsten Geld, das für Miete und Wartung draufgeht. Deshalb vermietet Gödiker in Berlin auch 18 Konferenzräume, dazu Bistros und – alles muss ja modern sein – Business Lounges.

Gödiker ist eine Frau, die gerne lacht und die weiß, wie man sich durchsetzen kann. Am eigenen Leib hat sie erfahren, wie schwer sich Banken mit Existenzgründerinnen tun. Als sie sich um Kredite für ihr Unternehmen in der Startphase bemühte und neben einem Business-Plan sogar schon Kunden vorzuweisen hatte, winkten die Banken zunächst ab. Doch Gödiker drohte dem Ausschuss, der über das Vorhaben entschied, zusammen mit Journalisten wiederzukommen. Sie wollte von ihnen vor laufender Kamera den Satz hören, den sie bereits zu hören bekam: „Das lässt sich nicht darstellen.“ Und das hieß: Nicht mit uns, gute Frau. Gödiker gab nicht auf und siegte: Am Ende bekam sie den Kredit.

Heute will Satellite Office noch weiter wachsen. Für Existenzgründer bietet die Firma seit kurzem ein sogenanntes Prepaid Office an. Die Idee ist dieselbe wie bei Handys mit einer Prepaid-Karte. Die angezahlten 999 Euro können für Leistungen wie eine Geschäftsadresse, einen Fax-Service oder die Nutzung der Konferenzräume genutzt werden. In Anspruch nehmen kann der Existenzgründer aber nur Leistungen im Wert des vorgestreckten Geldes – eine Verschuldung soll so verhindert werden. Auch baut Gödiker das Service-Geschäft weiter aus. Ein buchbarer Concierge Service hilft den Kunden auch im Alltag: angefangen bei der Reinigung der Schuhe über das Bestellen von Theaterkarten bis hin zum Blumengießen. Axel Hildebrand

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