Wirtschaft : Mifegyne: Abtreibungspille vor dem Aus

Jahrelang wurde um die Einführung der Abtreibungspille in Deutschland gerungen, nach neun Monaten steht der deutsche Vertrieb schon wieder vor dem Aus: Die Firma Femagen in Holzkirchen kündigte am Donnerstag an, sie werde ihre Lizenz für Mifegyne voraussichtlich an den französischen Patentinhaber zurückgeben. Hauptgrund: Wegen geringer Kostenvergütung sind immer weniger Ärzte bereit, medikamentöse Abbrüche durchzuführen, der Vertrieb rechnet sich nicht. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Spitzenverbände der Kassen bleiben hart. In einem Brief an das Bundesgesundheitsministerium bekräftigten sie, dass sie keinen Grund für eine höhere Vergütung sehen.

Nach Ansicht von Pro Familia findet sich unter diesen Umständen kaum noch ein Arzt in Deutschland bereit, medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen - sofern die Frauen nicht selbst dafür zahlen. Der Betreuungsaufwand für diese schonendste Form der Abtreibung sei weitaus höher als beim chirurgischen Eingriff, betont Ulrike Busch, Geschäftsführerin des Berliner Familienplanungszentrums. Nach Informationen von Femagen berechnen die Ärzte bei Frauen, die selbst für den Abbruch mit Mifegyne zahlen, deshalb zwischen 400 und 800 Mark.

Die meisten Frauen, laut Pro Familia bundesweit etwa 70 Prozent, haben wegen Bedürftigkeit jedoch Anspruch darauf, dass die Länder die Kosten für die Abtreibung übernehmen. Die meisten Länder zahlen den Ärzten jedoch nur eine Pauschale von 280 Mark für einen Abbruch mit Mifegyne. Für einen chirurgischen Eingriff werden dagegen beispielsweise in Berlin 649 Mark erstattet.

Viele Ärzte sind der Ansicht, dass sie beim medikamentösen Abbruch draufzahlen. In Berlin kündigte erst am Mittwoch eine Reihe von Gynäkologen an, in Zukunft keine Abtreibungen mit Mifegyne mehr vorzunehmen, wenn die Frauen nicht selbst dafür zahlen.

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