Mikrofinanzfonds "Invest in Visions" : Auch Kleingeld macht reich

Edda Schröder hat ihre Banker-Karriere an den Nagel gehängt. Nun sammelt sie mit einem Mikrofinanzfonds "Invest in Visions" für Arme – und verdient dabei gut.

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Im Juni war Edda Schröder wieder unterwegs. 80 Frauen hat sie in Nigerias Hauptstadt Lagos zugehört. Sie sind Kundinnen einer Mikrokreditbank und leiten Gruppen von jeweils 20 bis 40 Frauen. 200 Euro reichen oft schon, um einen Marktstand oder einen kleinen Laden zu finanzieren. Der Zins liegt bei drei Prozent im Monat. Die Gruppe sichert den Kredit, der bis zu neun Monaten läuft. Edda Schröder hört gespannt zu, spricht mit den Frauen. Denn es ist indirekt auch ihre Klientel.

Ein paar Wochen später sitzt die 49-jährige Westfälin in ihrem Büro in Frankfurt am Main. Sie hat vor drei Jahren den ersten auch für Privatanleger offenen Mikrofinanzfonds Deutschlands gegründet und leitet nun den Vertrieb. „Invest in Visions“, wie der Fonds heißt, gewährt Kredite an Mikrofinanzinstitute in armen Ländern, etwa an jene Bank in Nigeria. „Wie dieses Beispiel gibt es zahlreiche, in denen Mikrofinanz einen positiven Einfluss auf das wirtschaftliche als auch das soziale Verhältnis in Familien bewirkt hat“, sagt die blonde Bankerin mit den freundlichen Augen. „Für Kinder können die Schulgebühren bezahlt werden, durch einen Beitrag zum Haushaltseinkommen verbessern sich die Stellung und das Selbstwertgefühl der Frauen in den Familien.“

Edda Schröder wollte sich nachhaltigen und sozialen Projekten widmen

Edda Schröder hat solche Frauen immer bewundert. Sie reist gerne, war viel in Afrika, Asien und Lateinamerika unterwegs, als sie noch als Bankerin und Fondsmanagerin arbeitete. Bis in die Geschäftsführung des deutschen Ablegers der britischen Fondsgesellschaft Schroders hat sie es gebracht. Doch dann interessierte sie sich mehr und mehr für das Thema Mikrofinanz. Es reifte der Entschluss, „nicht einfach immer nur Aktienfonds zu verkaufen“, sondern sich mit ihrem Finanzwissen nachhaltigen und sozialen Projekten zu widmen und Chancen für eine sinnvolle, rentable Geldanlage zu eröffnen. 2006 stieg sie zur Verblüffung vieler Kollegen aus, gründete die eigene Firma.

Einfach war es nicht. Es habe länger gedauert, einen Fonds aufzulegen, als geplant, sagt Schröder. Auch heute gebe es Regionen wie Indien oder Osteuropa, in denen zu viele Institute agierten, zu viele Kredite verkauften und Kunden zum Teil in die Überschuldung drängten. Dort unterstützt sie deshalb kein Institut.

Gerade ist eine Bank in Kambodscha dazugekommen

Langsam, aber stetig ist der 2011 von Schröder aufgelegte Mikrofinanzfonds gewachsen. Heute verwaltet er 63 Millionen Euro. In der Mikrofinanzbranche hat sie sich längst einen Namen gemacht. Der Fonds gewährt aktuell knapp 40 Mikrobanken in 16 Ländern Kredite, im Schnitt 1,5 Millionen Euro. Gerade ist eine Bank in Kambodscha dazugekommen, eine Million Dollar steuert Schröders Fonds bei. Das Geld reichen die Institute an ihre Kunden weiter, über Kredite von 50, 100 oder einigen tausend Dollar. „Insgesamt unterstützen wir indirekt fast 54 000 Kreditnehmer, die durchschnittliche Kreditsumme liegt bei 1120 Dollar.“ Tadschikistan, Kambodscha, Peru, Ecuador und die Mongolei sind die wichtigsten Länder des Fonds.

Hilfe zur Selbsthilfe

Mindestens zwei Mal im Jahr reist Schröder selbst dorthin, schaut sich die Banken an, spricht mit Kunden. Meist sind es Frauen. Interessierte Mikrobanken wenden sich an Schröder, sie selbst knüpft auf Kongressen Kontakte oder über Institutionen wie die Weltbank. Bevor Geld fließt, werden die Banken genauestens geprüft, Bilanzen und Zahlen, auch der Umgang mit Mitarbeitern. Korruption muss ausgeschlossen sein.

Schon ab 100 Euro können Anleger in den IIV-Mikrofinanzfonds investieren und über Banken Anteile kaufen. Die Renditen sind nicht üppig, können sich aber angesichts der Niedrigzinsen sehen lassen: 2013 brachte es der Fonds auf 2,6, in diesem Jahr auf 2,3 Prozent – mit einem Investment, das Menschen in armen Ländern Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht. „Endlich kann ich als Bankerin voller Stolz sagen, dass ich mit meiner Arbeit in der Welt etwas Gutes tue.“ Die Bankkunden erkennen das an: 98 Prozent der Kredite fließen pünktlich und komplett zurück.

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