Milchstreit : Miese Stimmung bei den Bauern

Sinkende Nachfrage, eingebrochener Export und der starke Euro: Nicht nur die Situation der Milchbauern hat sich im vergangenen Jahr kontinuierlich verschlechtert.

Berlin - „Die deutschen Landwirte beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage so schlecht wie nie zuvor“, sagte Adalbert Kienle, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), am Donnerstag in Berlin. Vor allem die Stimmung der Milchbauern habe sich seit etwa einem Jahr kontinuierlich verschlechtert. Aber auch Ackerbauern und Schweinehalter sehen ihre Situation stark verschlechtert. Sinkende Nachfrage, eingebrochener Export und der starke Euro hätten zu erheblichen Störungen auf den Märkten geführt. Insbesondere die Erzeugerpreise für Getreide lägen mit Rückgängen bis zu 38 Prozent (Braugerste) erheblich unter dem Vorjahresniveau. Auch die Preise für Obst und Gemüse seien bis zu 40 Prozent gesunken. Einzig für Spargel und Erdbeeren bekamen die Landwirte mehr Geld.

In der Konsequenz sparten die Bauern massiv bei Betriebsmitteln wie Dünger. Auch Investitionen in Maschinen und Gebäude sind rückläufig. Relativ optimistisch gehen die Agrarbetriebe in die nächsten Jahre. Man sei froh über Liquiditätshilfen für landwirtschaftliche Betriebe. Auch gingen von den Koalitionsverhandlungen positive Signale aus, die Bauern sehen ihre Belange von Schwarz- Gelb gut vertreten.

Auf dem Milchmarkt rechnet der Verband bis Ende des Jahres mit einem Preisanstieg von derzeit 22 Cent pro Liter auf 26 bis 30 Cent. Das seien aber noch nicht die Preise, die die Betriebe zur kostendeckenden Produktion bräuchten. „Es gibt viel Verbitterung in den Bauernfamilien“, sagte Kienle. Die zeigte sich am Donnerstag in Süddeutschland. Milchbauern protestierten vor Discountern gegen niedrige Milchpreise. In Rastatt in Baden-Württemberg etwa blockierten rund 30 Demonstranten vier Stunden lang die Einfahrt von Aldi. yss

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