Milliarden-Dollar-Angebot : Snapchat will sich nicht von Facebook kaufen lassen

Kann man drei Milliarden Dollar von Facebook ablehnen? Die Antwort der Foto-App-Gründer meinen: Ja. Sie rechnen mit besseren Angeboten.

Andrej Sokolow
Snapchat stellt sich vor - viel mehr ist auf der Startseite ohne Anmeldung nicht zu sehen.
Snapchat stellt sich vor - viel mehr ist auf der Startseite ohne Anmeldung nicht zu sehen.Screenshot: Tsp

Mit drei Milliarden Dollar könnte sich Facebook sieben Airbus A380 leisten. Oder auf einen Schlag die Berliner Hochschulen sanieren. Doch die App Snapchat kann das weltgrößte Online-Netzwerk für diesen Betrag nicht kaufen.

Drei Milliarden Dollar für eine nicht einmal drei Jahre alte Firma, die sich noch nicht einmal Gedanken über das Geldverdienen gemacht hat. Den beiden Gründern der App, mit der sich gesendete Fotos nach wenigen Sekunden selbst zerstören und die bei Jugendlich extrem beliebt ist, war das nicht genug.

Evan Spiegel (23) und Bobby Murphy (25) schmissen den Laden bis vor kurzem von einem Bungalow am Strand aus. Was sie trotzdem zu gewichtigen Gesprächspartnern am Verhandlungstisch macht, sind die Nutzer und das Wachstum. Täglich werden rund 350 Millionen der selbstzerstörenden Schnappschüsse verschickt, im Juni waren es noch 200 Millionen. Schon damals sicherte sich Snapchat eine Finanzspritze von 60 Millionen Dollar - genug, um den Betrieb fürs erste auch ohne laufende Einnahmen am Laufen zu halten.

Auch Facebook lehnte einst ein Angebot ab

Die drei Milliarden Dollar sind inzwischen eine alltägliche Zahl in der kalifornischen Start-Up-Realität. Die jungen Snapchat-Gründer sind deshalb auch nicht etwa größenwahnsinnig. Sie sind sich nur sicher, dass mit Glück mehr zu holen ist. Schließlich stehen laut „Wall Street Journal“ bereits Investoren Schlange, die mit einem Millionenbetrag zu einer Gesamtbewertung von vier Milliarden Dollar einsteigen wollen.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kennt diese Strategie aus eigener Erfahrung: Mit gerade einmal Anfang 20 schlug er eine Milliarde Dollar vom Internet-Urgestein Yahoo aus. Der damalige Yahoo-Chef, Terry Semel, davor eine große Nummer in Hollywood, war schockiert. Heute ist allein der Facebook-Anteil des 29-jährigen Zuckerberg über 30 Milliarden Dollar wert.

Später lehnte die Schnäppchen-Website Groupon dem Vernehmen nach sechs Milliarden Dollar von Google ab und setzte stattdessen auf einen Börsengang. Die Rechnung ging hier nicht ganz auf: Groupon ist nach einem Einbruch der Aktie derzeit auch nur knapp sieben Milliarden Dollar wert.

Solide Zahlen können kontraproduktiv sein

Den Machern der Foto-App Everpix, die für Nutzer Fotos aus verschiedenen Quellen bündelte, müssen die aktuellen Snapchat-Berichte wie blanker Hohn vorkommen. Everpix wurde einst auch als „das nächste große Ding“ gehypt, musste jüngst aber schließen, weil es eine Rechnung über 35.000 Dollar für die Datenspeicherung nicht mehr bezahlen konnte.

Dabei hatte Everpix sogar 6400 zahlende Kunden und damit im Gegensatz zu Snapchat zumindest schon mal ein Geschäftsmodell. Doch in der verkehrten Welt des Silicon Valley könne das sogar ein Nachteil sein, erklärte Start-up-Blogger Andrew Chen: „Es zeigt, dass die Gründer eventuell zu klein denken, statt die Welt erobern zu wollen.“

Mit einem Trick bleiben die Bilder erhalten

Snapchat meisterte unterdessen jüngst eine erste Vertrauenskrise - nach Berichten, die Fotos seien doch nicht so privat wie versprochen. Die oft recht offenherzigen Bilder würden von den Servern gelöscht, sobald der Adressat sie geöffnet habe, versicherte Gründer Spiegel in einem Blogeintrag.

Aber bis dahin müssten sie eben gespeichert werden, um irgendwann ausgeliefert zu werden. In einigen Dutzend Fällen habe Snapchat solche Bilder schon an die Behörden übergeben müssen. Den Zugang zur Software, mit der man sich die ungeöffneten Schnappschüsse verschaffen könne, hätten aber nur die beiden Gründer.

Allerdings haben die Nutzer längst herausgefunden, wie sie länger etwas von den selbstauflösenden Bildern haben: Man muss einfach nur schnell genug sein und einen Screenshot machen. (dpa)

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