Wirtschaft : Milliarden für die Kriegskasse

Die Hypo-Vereinsbank profitiert vom Verkauf der Bank Austria – und könnte das Geld in Berlin investieren

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Berlin - Die Hypo-Vereinsbank kann mit mehreren Milliarden Euro auf Einkaufstour gehen. Denn die Münchener Bank hat ihre österreichische Tochter Bank Austria Creditanstalt sowie ihre Beteiligungen in Mittel- und Osteuropa jetzt an die Muttergesellschaft Unicredit verkauft. Dadurch fließe der HVB ein Buchgewinn in Höhe von knapp 6,5 Milliarden Euro zu, teilte die Bank am Dienstagabend in München mit. Allein 5,8 Milliarden Euro davon stammten aus der Übertragung der Bank Austria.

Das Institut will in Deutschland durch Zukäufe wachsen. Ganz oben auf der Liste steht dabei die Landesbank Berlin, die früher Bankgesellschaft Berlin hieß und zu der auch die Berliner Sparkasse gehört. Sowohl HVB-Chef Wolfgang Sprißler als auch der Chef der italienischen Muttergesellschaft Unicredit, Alessandro Profumo, hatten wiederholt Interesse an der ehemaligen Bankgesellschaft bekundet. Die steht im kommenden Jahr zum Verkauf. Auf Geheiß der EU-Kommission muss das Land seinen 81-Prozent-Anteil abgeben, weil es die Bank vor fünf Jahren mit Milliardenbeihilfen vor dem Ruin gerettet hatte. Beobachter gehen von einem Verkaufspreis zwischen vier und fünf Milliarden Euro aus.

Der Verwaltungsrat der italienischen HVB-Muttergesellschaft Unicredit hatte am Montag beschlossen, für insgesamt 13,2 Milliarden Euro das gesamte Mittel- und Osteuropageschäft der HVB zu übernehmen. Dazu gehören die bisherige HVB-Tochter Bank Austria sowie Tochtergesellschaften in Russland und dem Baltikum. Im Gegenzug erhält die HVB zumindest mittelfristig die Verantwortung für das Investmentbanking im Unicredit-Konzern.

Die mehr als sechs Milliarden Euro, die als Buchgewinn bei der HVB bleiben, sollen unter anderem für externes Wachstum ausgegeben werden. Wofür genau, das soll Konzernchef Profumo am Dienstag offengelassen haben. „Die entscheidende Frage ist doch, was machen wir mit dem Geld“, sagte ein Aufsichtsrat dem „Handelsblatt“.

„Der deutsche Markt hat Priorität für uns“, hieß es im Umfeld der HVB zu möglichen Expansionsplänen. Zunächst werde man sich auf organisches Wachstum konzentrieren, bei entsprechenden Gelegenheiten aber auch zukaufen. In Münchener Bankenkreisen heißt es, Profumo verfolge bei der Berliner Sparkasse ernsthafte Interessen. Unicredit, aktuell Italiens zweitgrößte Bank, war Ende der 90er Jahre aus der Fusion mehrerer Sparkasssen und zweier Großbanken hervorgegangen.

Für die HVB bedeutet der Verkauf eine Epochenwende. Mehr als ein Jahrzehnt lang hatte sie die Expansion in die Wachstumsmärkte der neuen EU-Staaten forciert, nun übernimmt die bisherige Tochter Bank Austria im Rahmen des Unicredit-Konzerns die Verantwortung für dieses Geschäft. Die HVB soll sich im Gegenzug auf den deutschen Markt sowie die Expansion in den Benelux-Raum und Nordeuropa konzentrieren. stek/cha/HB

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