Wirtschaft : Milliarden-Poker um E-Plus Anteil beendet

Thyssen verkauft für 2,26 Mrd.DM an RWE und Veba

DÜSSELDORF (dpa/AP).Der Milliardenpoker um den Thyssen-Anteil an der E-Plus Mobilfunk GmbH, Düsseldorf, ist beendet.Zum Preis von 2,26 Mrd.DM wird Thyssen seine 30,1 Prozent-Beteiligung an dem Mobilfunkbetreiber an die gemeinsame Telefongesellschaft von Veba und RWE, Otelo Communication, verkaufen, teilten die Unternehmen am Freitag in Düsseldorf mit."Mit dem Verkauf unserer Mobilfunkaktivitäten fließt Thyssen ein Milliardenbetrag zum weiteren forcierten Ausbau der Kerngeschäfte zu", erklärte Thyssen-Vorstandschef Dieter Vogel.Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kartellamtes und der neuen Regulierungsbehörde. Als großer Schritt der Abrundung der Telekommunikationsstrategie bezeichnete der Vorstandsvorsitzende des Veba-Konzerns, Ulrich Hartmann, den Erwerb des E-Plus-Anteils.Mit dem Kauf wird Otelo künftig einen Anteil von 60,25 Prozent an E-Plus halten.Die übrigen Anteile entfallen auf die US-Telefongesellschaft Bell South (22,5 Prozent) und die größte europäische Mobilfunkgesellschaft, die britische Vodafone (17,2 Prozent). Zufrieden zeigte sich auch RWE-Vorstandschef Dietmar Kuhnt mit dem Erwerb der Mehrheit an dem Mobilfunkbetreiber: "Mit der Übernahme der E-Plus-Anteile wird der unternehmerische Handlungsspielraum unserer Tochter Otelo entscheidend erweitert", sagte er. Der Mehrheitserwerb ist für Otelo umso wichtiger, da die Integration von Festnetz- und Mobilfunkangeboten zu einem der entscheidenden Punkte im Wettbewerb um den 100 Mrd.DM schweren deutschen Telekommunikationsmarkt zu werden scheint.Erst vor weniger Tagen hatte der große Konkurrent Mannesmann angekündigt, künftig das erfolgreiche Mobilfunknetz D2 und Festnetzanschlüsse von der Schwester Mannesmann Arcor im Gesamtpaket anzubieten, um anderen Wettbewerbern Kunden abzugjagen (siehe untenstehenden Bericht).Der zweite private Konkurrent Viag Interkom setzt mit seinem E2-Netz von vorneherein konsequent auf die Integration von Festnetz und Mobilfunk. Erklärtes Ziel von Otelo ist es, bis 2005 einen Umsatz zwischen sieben und neun Mrd.DM zu machen.Die E-Plus Mehrheit bietet nun die Möglichkeit, dieses Ziel aggressiver anzusteuern, zumal das nach D1 und D2 mit weitem Abstand drittgrößte Mobilfunknetz Deutschlands in den letzten Monaten dank neuer Marketingideen spürbar im Aufwind ist.Allerdings fehlt es dem Düsseldorfer Telekommunikationsutnernehmen nach dem Ausstieg von Cable & Wireless nach wie vor an einem starken internationalen Partner.Mit dem Mehrheitserwerb an E-Plus sind Veba und RWE gleichwohl ihrem Ziel, ein Vollanbieter in der Telekommunikation zu werden, ein großes Stück näher gekommen.Von 1998 an wollen Otelo wie auch die neuen Anbieter Mannesmann Arcor, Frankfurt (Main) und ViagIntercom, München, der Deutschen Telekom stärkere Konkurrenz machen und Kunden abjagen, wenn das Sprachmonopol der Telekom fällt.Sowohl im Festnetz wie auch im Mobilfunkbereich sei Otelo jetzt eine überzeugende Alternative für Privat- und Geschäftskunden zur Deutschen Telekom, betonte RWE-Chef Kuhnt. E-Plus mit gegenwärtig 750 000 Teilnehmern will in diesem Jahr noch die Zahl von einer Million Kunden erreichen.Damit liegt der Nachzügler im boomenden Mobilfunkgeschäft noch deutlich hinter den beiden Marktführern D2 von Mannesmann Mobilfunk (rund 2,8 Millionen) und D1 der Telekom-Tochter T-Mobil (2,6 Millionen).Noch schreibt E-Plus rote Zahlen, was allerdings im Geschäftsplan auch vorgesehen war.1998 beziehungsweise spätestens 1999 sollen dann erstmals Gewinneerwirtschaftet werden. Der Unternehmenswert von E-Plus soll nach weiteren Angaben von Thyssen bei zwölf Mrd.DM liegen.Nach Abzug der Verbindlichkeiten würde sich ein Wert von 7,5 Mrd.DM ergeben.Zusätzlich zum Kaufpreis werden Thyssen Gesellschafterdarlehen in Höhe von 600 Mill.DM zurückerstattet.Der Mittelzufluß für Thyssen aus dem Verkauf der E-Plus-Anteile liege somit insgesamt bei 2,9 Mrd.DM. Nach Angaben eines Firmensprechers will sich der Mischkonzern mit dem Verkauf des Mobilfunkanteils keinesfalls aus der Telekommunikation verabschieden: "Wir werden uns künftig ganz auf Dienstleistungen konzentrieren", die Telekommunikation bleibt ein potentielles Kerngeschäftsfeld", sagte der Thyssen-Sprecher.Thyssen Telecom werde auf den verbleibenden Geschäftsfeldern expandieren. KOMMENTAR SEITE 17

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