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Milliarden verzockt : Londoner Polizei nimmt UBS-Händler fest

Noch kämpft die UBS mit den Verlusten aus der Finanzkrise. Ein Händler der Schweizer Großbank könnte die Situation noch verschärfen - und bringt die Aktie des Geldhauses zum Absturz.

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Den Blick nach oben richten. Die UBS in Zürich blickt nach der Zockerei eines Händlers erst einmal in den Abgrund. Foto: dpa
Den Blick nach oben richten. Die UBS in Zürich blickt nach der Zockerei eines Händlers erst einmal in den Abgrund.Foto: dpa

Im Zusammenhang mit dem Milliardenskandal bei der Schweizer Großbank UBS befindet sich ein UBS-Mitarbeiter im Gewahrsam der Londoner Polizei. Der Mann sei am frühen Donnerstagmorgen festgenommen worden, teilte die Polizei der Londoner City am Donnerstag mit.

Der britischen Finanzaufsicht FSA zufolge arbeitet er seit dem Jahr 2007 bei UBS und ist sowohl beim Konzern in der Schweiz als auch bei der britischen Tochter UBS Limited in London registriert. Er wurde am Nachmittag weiter von den Ermittlern befragt. Eine UBS-Sprecherin in London wollte sich zunächst nicht zu der Festnahme äußern.

Der Schweizer Großbank UBS ist nach eigenen Angaben wegen nicht genehmigter Geschäfte des Händlers ihrer Investmentbank ein Verlust von voraussichtlich etwa zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) entstanden. „Es ist möglich, dass UBS deshalb im dritten Quartal 2011 einen Verlust bekanntgeben wird“, teilte die Bank am Donnerstag mit.

Kundenpositionen seien von dem Schaden nicht betroffen, hieß es von der Bank weiter. Unter dem Eindruck der Nachrichten trennten sich Anleger von dem Papier. An der Schweizer Börse in Zürich verzeichnete die UBS-Aktie bis zum Nachmittag Abschläge von mehr als sieben Prozent.

In einer E-Mail versuchte Konzernchef Oswald Grübel inzwischen die Mitarbeiter zu beruhigen. Es handele sich um eine „bedauerliche Nachricht“, zitiert die Online-Ausgabe der „Neuen Zürcher Zeitung“ aus dem Schreiben. Allerdings werde die „fundamentale Stärke unseres Unternehmens dadurch nicht beeinträchtigt“.

Die Konzernleitung fordert die Mitarbeiter auf, „sich weiterhin auf Ihre Kunden zu konzentrieren“. Diese zählten in diesen unsicheren Zeiten auf ihre Unterstützung.

Die UBS, an deren Verwaltungsratsspitze ab 2013 Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber stehen soll, ist in der Finanzkrise durch schwere Zeiten gegangen. Gerade von den Folgen fast genesen, hatte der UBS-Konzern im zweiten Quartal einen herben Rückschlag erlitten. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn vor Steuern aus dem operativen Geschäft fast um ein Drittel auf 3,9 Milliarden Franken (3,35 Milliarden Euro). Die Schweizer Großbank hatte in den Jahren 2007 bis 2008 knapp 28 Milliarden Franken Verluste angehäuft und musste vom Staat gerettet werden.

Nun sollten mit der Entlassung von 3500 Mitarbeitern besonders im Investmentbanking satte zwei Milliarden Franken eingespart werden. Fast genau diese Summe ist durch die noch ungeklärte Transaktionen verloren.

Waren es nun Spekulationen auf den starken Franken oder hat mangelnde Aufsicht zu dem Verlust geführt, der nach Angaben der UBS durch nicht genehmigte Geschäfte eines Wertpapierhändlers der Bank entstanden sein soll? In der Öffentlichkeit spielt das wohl keine Rolle mehr. Der Vertrauensverlust sei nun völlig unkalkulierbar, hieß es in ersten Kommentaren aus der Finanzbranche am Donnerstag.

Der Spekulationsfall erinnert an die französische Großbank Societe Generale, die vom Wertpapierhändler Jerome Kerviel Anfang 2008 an den Rande des Zusammenbruchs gebracht worden war. Er hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. (dpa/rtr)

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