Wirtschaft : Milliardenausfälle bei Ost-Immobilienfonds

BERLIN (mot).Wegen unseriöser und unqualifizierter Beratung bei der Geldanlage zeichnen sich nach Einschätzung des Bundesverbands Finanzdienstleistungen (FiFa) höhere Verluste für Anleger ab als bislang angenommen wurde.Vor allem bei geschlossenen Immobilienfonds und Einzelimmobilien in den neuen Bundesländern sei mit Ausfällen in dreistelliger Milliardenhöhe zu rechnen, teilte der Verband am Montag in Berlin mit.Der bisher befürchtete Verlust von rund 30 Mrd.DM werde damit um ein Vielfaches übertroffen, sagte FiFa-Vorstand Carsten Lucht."60 bis 70 Prozent aller Investments enden mit einem Verlustgeschäft für die Anleger", sagte der Münchener Rechtsanwalt Claus Hermuth.Hermuth ist juristischer Berater des FiFa und hat Anleger in Musterprozessen vertreten.Um so bedauerlicher sei es, daß ein Gesetzentwurf über eindeutige Berufszulassungsregeln, die Experten seit langem fordern, unlängst von der Koalitionsmehrheit im Bundestag abgelehnt worden sei, so Lucht.Neben Dänemark sei Deutschland damit das einzige Land in der Europäischen Union, das eine entsprechende Empfehlung der EU aus dem Jahr 1991 noch nicht umgesetzt habe.Darin werden unter anderem die Einrichtung eines zentralen Registers für qualifizierte Finanzberater sowie klare Haftungsregelungen gefordert.

Massiver Widerstand gegen eine gesetzliche Regelung komme vor allem aus der FDP, die sich gegen einen "Trend zur Überregulierung" glaube wehren zu müssen.Äußerungen der Liberalen, aber auch von Vertretern der CDU/CSU zeugten hingegen von großer "Ahnungslosigkeit" über das Ausmaß des Schadens, so Hermuth.Der Gesetzgeber müsse dringend für Rechtssicherheit sorgen.Während Geschäfte mit Anlageprodukten am Bankschalter und die Vermittlung von Warentermingeschäften einer Berufszulassung unterlägen, könne in Deutschland "jeder, der sich dazu berufen fühlt", geschlossene Fonds, Investmentfonds, Immobilien jeder Art und Unternehmensbeteiligungen vertreiben - ohne Haftpflicht für Vermögensschäden.Das Argument gegen eine strenge Berufszulassung, wonach Anlageberater leichter betrügen könnten, je besser sie ausgebildet seien, sei unsinnig, so Lucht."Es geht um Anlegerschutz und darum, den Betrügern den Zugang zu ahnungslosen Anlegern zu verbauen." Angesichts von 20 Prozent Provision sei der Aufbau von "Kloppertruppen" gegenwärtig problemlos möglich.Auch namhafte Banken und Versicherungen ließen ihre Produkte von Nebenberuflern vertreiben.Von 364 000 Versicherungsvertretern seien hierzulande nur 64 000 hauptberuflich tätig.

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