Wirtschaft : Milliardenbetrug: Chefs von Flowtex bleiben wegen Fluchtgefahr in Haft

Die wegen des Verdachts des Milliardenbetrugs durch Leasing-Scheingeschäfte seit Februar 2000 inhaftierten früheren Flowtex-Geschäftsführer Manfred Schmider und Klaus Kleiser bleiben in Haft. Auch die Inhaberin der zur Flowtex-Gruppe gehörenden Ettlinger Firma KSK GmbH, Angelika Neumann, kommt nicht auf freien Fuß. In seiner am Montag veröffentlichten dritten Haftprüfungs-Entscheidung begründete der 3. Strafsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe seinen Beschluss mit Fluchtgefahr (AZ: 3 HEs 63/01 - Beschluss vom 19. März 2001).

Laut OLG wird das umfangreiche Verfahren gegen Schmider & Co. durch die Staatsanwaltschaft Mannheim mit der "in Haftsachen gebotenen Beschleunigung betrieben." Nach Mitteilung der Ermittlungsbehörde ist im Mai vor dem Landgericht Mannheim mit der Erhebung der Anklage zu rechnen. Gerechnet wird mit einem Prozessbeginn in diesem Spätsommer.

Am Sonntag war nach monatelanger Fahndung der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Schmider-Bruder Matthias auf dem Flughafen Schiphol in Amsterdam festgenommen worden. Nach Angaben des Stuttgarter Landeskriminalamtes hatte sich Matthias Schmider (40) bei seiner Einreise mit einem gefälschten britischen Reisepass ausgewiesen und seinen echten deutschen Pass ebenfalls mitgeführt. Nach einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" wollte sich Schmider, der aus Brasilien nach Europa zurückgekehrt war, am Montag den deutschen Behörden stellen. Zuvor habe er noch eine Pressekonferenz mit einem "handverlesenen Kreis von Journalisten" abhalten wollen, hieß es. Der verhaftete Unternehmer hatte bis Ende der 90er Jahre in Ettlingen die zum Flowtex-Konzern gehörende Firma Powerdrill geleitet. Dieser Firma wird laut Zeitungsbericht das gleiche betrügerische Schneeballsystem mit nicht existenten Horizontalbohrsystemen vorgeworden wie der Flowtex-Gruppe. Der Schaden aus Powerdrill-Geschäften wird auf 500 Millionen Mark geschätzt. Nach früheren Angaben soll der 40-Jährige 85 Millionen Mark aus dem Flowtex-Vermögen abgezweigt haben. Für seine Ergreifung hatten die durch den milliardenschweren Flowtex-Skandal geschädigten Gläubiger eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt. Matthias Schmider soll am Montag einem niederländischen Haftrichter vorgeführt werden.

Nach Feststellung des OLG hat die Ermittlungsbehörde seit der letzten Haftprüfung Mitte Dezember 2000 weitere 18 Zeugen vernommen und die Ermittlungen zum Vorwurf des Kapital-Anlagebetruges vervollständigt. Auch habe der Transfer weiterer Gelder durch so genannte Geldflussrechnungen nachvollzogen werden können. Weiter ungeklärt sei jedoch der Verbleib von mehr als 75 Millionen Mark. Nach derzeitigem Sachstand geht der OLG-Senat davon aus, dass diese Gelder von den Beschuldigten anteilig bei Seite geschafft worden sind.

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