Wirtschaft : Milliardengeschäft mit Schadenersatz-Klagen

Philip Morris soll 28 Milliarden Dollar an eine krebskranke Raucherin zahlen

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New York (dpa). Produkthaftungsklagen gegen Großunternehmen sind in den Vereinigten Staaten zu einem Milliardengeschäft geworden (siehe Lexikon). Ob Zigarettenhersteller, Pharmaunternehmen oder Autofirmen – immer wieder werden Unternehmen mit immensen Forderungen konfrontiert. Zum Wochenende traf es den weltgrößten Zigarettenhersteller Philip Morris, der von einem Geschworenengericht in Los Angeles zur Zahlung einer „Strafentschädigung“ in Höhe von 28 Milliarden Dollar (28,4 Milliarden Euro) verurteilt wurde. Das Geld soll an die 64 Jahre alte Raucherin Betty Bullock gezahlt werden, die unter Lungenkrebs leidet. Es ist das bisher kostspieligste US-Urteil zu Gunsten einer Einzelperson. Philip Morris will rechtlich dagegen angehen. Mit so genannten Sammelklagen wird in den Vereinigten Staaten das größte Geschäft gemacht. Dabei werden gleich gelagerte Schadenersatzfälle von Tausenden oder gar Millionen Geschädigten zusammengefasst.

Abschreckung für Unternehmen

Eine Jury in Miami hatte den Gesundheitsbehörden und anderen öffentlichen Stellen in Florida vor einiger Zeit in einer Rauchersammelklage 144,8 Milliarden Dollar an Strafentschädigungen zugesprochen. Strafentschädigungen sind eine Eigenart des US-Rechts. Damit können Geschworenengerichte Unternehmen viel höher bestrafen, als dies wegen des tatsächlichen Schadens gerechtfertigt wäre. Das soll Firmen von künftigem Fehlverhalten abhalten. Die Zigarettenkonzerne hatten sich auf einen Vergleich mit 41 US-Bundesländern in Höhe von 246 Milliarden Dollar geeinigt, um eine Klagelawine zu vermeiden. Doch scheint ihre Rechnung nicht aufzugehen, wie das jüngste Urteil in Kalifornien zeigt.

Auch die Klagen von Hunderttausenden Asbest-Geschädigten könnten Unternehmen und Versicherungen insgesamt mehr als 200 Milliarden Dollar kosten. Bisher haben sie 20 Milliarden Dollar Schadenersatz gezahlt. Seit Anfang 2000 haben 60 große US-Unternehmen wegen Asbestklagen Gläubigerschutz beantragt, um wenigstens unter Schutz des Konkursrichters ihre Geschäfte fortführen zu können. Dazu zählen nach Angaben des Magazins „Fortune“ Großkonzerne wie Babcock & Wilcox, Pittsburgh Corning, Owens Corning, Armstrong World Industries, G-I Holdings, W.R. Grace, USG Corp. und Federal-Mogul.

Inzwischen sind auch Tausende von Schadenersatzansprüchen gegen Daimler-Chrysler, General Motors und Ford wegen angeblicher Gesundheitsschäden durch asbesthaltige Bremsbeläge eingereicht worden. Der deutsche Versicherungskonzern Allianz hatte kürzlich seine Rückstellungen für mögliche Umwelt- und Asbestrisiken bei seiner US-Versicherungstochter Fireman’s Fund von 760 Millionen US-Dollar auf 1,5 Milliarden Dollar erhöht. Aber auch die Pharmaindustrie hat mit Schadenersatzklagen zu kämpfen: Für schadhafte Brust-Implantate soll das Unternehmen Dow Corning 2,1 Milliarden Dollar zahlen, und die Pharmafirma American Home Products hat im Zusammenhang mit dem Abspeckmittel Fen-Phen einem Milliardenvergleich zugestimmt.

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