Wirtschaft : Milliardengeschenk mit Risiko

Harald Schumann

Schon einen Tag, nachdem die SPD die NRW-Wahl verlor, sorgte Angela Merkel für energiepolitische Klarheit. Mit ihr als Kanzlerin werde die CDU/CSU „es den Energie-Erzeugern überlassen, die Kernkraftwerke so lange zu betreiben, wie das technisch möglich ist“.

Bleibt es dabei, bringt das den Stromkonzernen ein Milliardengeschenk. Könnten etwa RWE und Eon ihre 13 AKW künftig 45 statt der mit Rot-Grün vereinbarten 32 Jahre lang betreiben, würde dies den beiden Unternehmen 3,4 beziehungsweise 4,6 Milliarden Euro zusätzlicher Einnahmen bescheren, kalkuliert die Investmentbank Sal. Oppenheim. Zudem könnten sie den Bau neuer Kraftwerke aufschieben. Damit würden Investitionen im Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro aufgehalten, schätzt der Verband der Großkraftwerksbetreiber.

Daneben wirft eine Laufzeitverlängerung aber auch ernste Sicherheitsprobleme auf. So würde selbst bei einer nur acht Jahre längeren Betriebszeit die Menge an hochradioaktivem Abfall noch einmal um 3400 Tonnen anwachsen, errechnete das Bundesamt für Strahlenschutz. Bis 2029 wäre der deutsche Atommüllberg dann fast 20000 Tonnen schwer. Vor allem aber würden auch solche Reaktoren noch für Jahrzehnte am Netz bleiben, die unter Fachleuten als veraltet und unsicher gelten. So verfügen die beiden Reaktoren in Biblis nicht über eine verbunkerte Notwarte, mit der sie etwa im Falle eines Terrorangriffs noch zu steuern wären. Als noch kritischer gelten die drei Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 in Philippsburg, Ohu und Brunsbüttel. Im Gegensatz zu anderen Meilern ist deren Sicherheitsbehälter schwächer ausgelegt, damit ließe sich ein großes Leck schwerer beherrschen. Mangels Kuppelüberbau sind sie zudem gegen Flugzeugabstürze schlecht gewappnet und damit potenzielles Terror-Ziel.

Peter Paziorek, Umweltexperte der CDU-Bundestagsfraktion, würde darum gerne die Altlasten der Atomwirtschaft aus den 70er Jahren von einer Laufzeitverlängerung ausnehmen, also diese fünf Reaktoren, wie bisher geplant, bis 2011 stilllegen. Doch fraglich ist, ob er sich damit durchsetzen kann. Die Konzerne RWE und EnBW als Betreiber der Altreaktoren wären dann nämlich gegenüber Eon benachteiligt.

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