Wirtschaft : Milliardenkredit kann nach Rußland fließen

MOSKAU (dpa/rtr/AFP).Zur Bekämpfung der schweren Finanzkrise erhält Rußland 1998 und 1999 von internationalen Finanzorganisationen ein Hilfspaket von insgesamt 22,6 Mrd.Dollar (rund 41 Mrd.DM).Dies gab der russische Chefunterhändler Anatoli Tschubais am Montag in Moskau nach Verhandlungen mit dem Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Weltbank bekannt.Tschubais erklärte gleichzeitig, Rußland wolle auch für die folgenden Jahre bis 2001 ein Hilfsprogramm beantragen.

Eine erste Tranche von sechs Mrd.Dollar (rund elf Mrd.DM) werde bereits ab der nächsten Woche erwartet.Die IWF-Führung will darüber auf einer Sitzung am Montag entscheiden.Zuvor müsse das russische Parlament, die Duma, allerdings das Sparprogramm der Regierung billigen.Die Abgeordneten wollen am Mittwoch in einer Sondersitzung darüber entscheiden.

Insgesamt sind für dieses Jahr Zahlungen von 14,8 Mrd.Dollar und für 1999 von 7,8 Mrd.Dollar vereinbart worden, an denen sich auch Japan beteilige.Der russische Ministerpräsident Sergie Kirijenko reiste unterdessen nach Japan, wo er auch Außenminister Keizo Obuchi traf, um über wirtschaftliche Fragen zu sprechen.

"Die internationalen Finanzorganisationen unterstützen die Maßnahmen der russischen Regierung bei den Wirtschaftsreformen", sagte Tschubais auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IWF-Direktor John Odling-Smee und Weltbank-Vertreter Michael Carter."Das Geld ist nicht dazu da, um einzelne Feuer zu löschen oder einzelne Löcher zu stopfen", sagte er."Es waren vielleicht die schwierigsten Gespräche, die wir in der gesamten Geschichte der Zusammenarbeit mit den Internationalen Finanzorganisationen geführt haben." Eine erneute Abwertzung des Rubels schloß Tschubais aus.

In diesem Jahr wird der IWF den Löwenanteil von 12,5 Mrd.Dollar zahlen, während die Weltbank 1,7 Mrd.und Japan 600 Mill.Dollar beisteuerten.Für das kommende Jahr seien dann 2,6 Mrd.Dollar vom Währungsfonds, 4,3 Mrd.von der Weltbank und 900 Mill.Dollar von Tokio vorgesehen.

Rußland befindet sich in einer Finanzkrise.Nach Angaben der Regierung fehlen in der Staatskasse pro Monat mehr als eine Mrd.DM.Rußland hatte zusätzliche Kredite zwischen zehn bis 15 Mrd.Dollar gefordert.Dazu kommen die Asienkrise und der Ölpreisverfall die auf Moskau durchschlagen.wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.Zur Stützung der unter Abwertungsdruck stehenden Landeswährung mußte die Zentralbank einen großen Teil ihrer Devisenreserven opfern.Der Rubel-Verfall hat negative Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit.Von den internationalen Hilfen erhofft sich das Land eine Wiederherstellung Vertrauens und eine Rückkehr der Investoren.

Ein Krisenprogramm der Regierung soll helfen, das marode Steuersystem zu reformieren, das dem Haushalt bislang erhebliche Einnahmeausfälle bringt.Der russische Präsident Boris Jelzin hat bereits vor politischen und gesellschaftlichen Gefahren der Wirtschaftskrise gewarnt.

Im Vorfeld des Milliardenkredits hatten die russischen Finanzmärkte am Montag zunächst freundlich tendiert.Die Aktienkurse kletterten um fast vier Prozent.Auch der Rubel legte gegenüber dem Dollar zu.

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