Wirtschaft : Milliardenlast für Deutsche Bank

Frankfurt am Main/Brüssel - Die Unsicherheit über die finanziellen Folgen der Finanzkrise für deutsche Banken dauert an. Am Montag meldete die Agentur Reuters unter Berufung auf Finanzkreise, die „Einbußen“ der Deutschen Bank aus Kreditzusagen in Höhe von 29 Milliarden Euro könnten sich im dritten Quartal auf bis 1,7 Milliarden Euro belaufen. Bei der Commerzbank, so heißt es bei Analysten, könnten die Belastungen nicht nur bei 80 Millionen, wie Vorstandschef Klaus-Peter Müller bislang sagt, sondern bei 450 Millionen Euro liegen. Sprecher beider Banken lehnten eine Stellungnahme ab.

Experten zufolge handelt es sich um reine Spekulationen, seriöse Zahlen könnten derzeit nicht genannt werden. „Solche Belastungen kann man nicht ausschließen“, sagt Dieter Hein, erfahrener Bankenkenner beim Analysehaus Fairesearch. „Aber alles kommt derzeit aus der Gerüchteküche.“ Die Börse jedenfalls strafte die Aktien der beiden Banken weiter ab. Sie gehörten am Montag zu den schwächsten Dax-Titeln.

Die Deutsche Bank, dies hat Vorstandssprecher Josef Ackermann in den vergangenen Wochen mehrfach betont, muss ihre Kreditzusagen, die sie derzeit entgegen ihren Planungen nicht gewinnbringend weiterreichen kann, neu bewerten. Ähnliches gilt für die Commerzbank, die ihr 1,2 Milliarden Euro schweres Portfolio mit zweitklassigen US-Hypothekenkrediten nicht losschlagen kann. Nach Ansicht von Experten sind Aussagen über mögliche Preise derzeit nicht möglich. „Es gibt keine Nachfrage, keinen Markt und damit auch keine Preise“, sagt ein Banker. Bislang hatten Analysten mögliche Abschreibungen bei der Deutschen Bank auf 500 bis 700 Millionen Euro geschätzt. Konkrete Zahlen der Deutschen Bank gibt es spätestens am 31. Oktober, wenn sie ihren Quartalsbericht vorlegt. Bei der Commerzbank dauert es bis zum 7. November.

Die Deutsche Bank verbuchte am Montag auch einen Erfolg. Die EU-Kommission in Brüssel genehmigte dem Konzern die Übernahme des britischen Versicherers Abbey Life für 1,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen bietet seit dem Jahr 2000 keine neuen Policen mehr an, sondern verwaltet einen Stamm von 17 Milliarden Euro in Lebens- und Rentenversicherungen. ro/dpa

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