Wirtschaft : Milliardenschaden durch unseriöse Geldanlagen Verbraucherzentrale warnt vor grauem Kapitalmarkt

-

Berlin (anw). Der Traum vom schnell verdienten Geld – wer träumt ihn nicht? Für viele Anleger wird er jedoch zum Albtraum, wenn sie sich auf unseriöse Firmen einlassen. Die Verbraucherzentrale Berlin warnt daher vor Unternehmen des so genannten grauen Kapitalmarkts. Anlegern drohe der Totalverlust des investierten Geldes. So hätten einzelne Firmen einen Schaden von rund 500 Millionen Euro angerichtet, insgesamt seien die Kunden um mehrere Milliarden Euro geprellt worden. Jede Woche würden sich allein in Berlin rund 20 getäuschte Anleger bei der Verbraucherzentrale melden.

Zum grauen Kapitalmarkt gehören Finanzfirmen, die anders als Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Häufig locken sie Interessenten mit Beteiligungssparplänen. Dabei werden die Anleger zu atypisch stillen Gesellschaftern; das heißt, sie sind theoretisch Mitunternehmer, faktisch aber bleiben sie ohne Einfluss auf die Anlagepolitik der Firma. Wer vorzeitig aussteigen möchte, hat mit hohen Kosten zu rechnen.

Laut Verbraucherzentrale fallen in Zeiten sinkender Zinsen besonders viele Anleger auf dubiose Geschäfte herein. Auch die Unsicherheit über die Altersvorsorge treibe viele Menschen in die Arme unseriöser Anbieter. Eine Mitschuld daran trage der Gesetzgeber. „In vielen Punkten ist der Kapitalmarkt zu sehr liberalisiert worden“, kritisiert Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin. Als Beispiel nennt er die Herabsetzung der Verjährungsfristen bei Falschberatung von bisher 30 Jahren auf drei Jahre. „Es ist leichter, sich auf dem grauen Kapitalmarkt zu betätigen, als eine Kneipe zu gründen“, sagt Lischke. In Frankreich oder Großbritannien sei das Problem hingegen nicht bekannt. Der graue Kapitalmarkt sei vielmehr „ein speziell deutsches Phänomen“.

Finger weg von Schnäppchen

Bis sich daran etwas ändert, könnten sich Anleger nur schützen, indem sie die Angebote von Finanzfirmen genau unter die Lupe nehmen. So deute die Vermittlung einer Anlagemöglichkeit über flüchtige Bekannte meist auf einen unseriösen Anbieter hin. Das Gleiche gelte für Unternehmen, die von sich aus telefonisch den ersten Kontakt herstellen. Auch wenn hohe Renditen um die zehn Prozent ohne Hinweis auf mögliche Risiken versprochen werden, gelte „Finger weg“. Vorsicht sei auch geboten, wenn der Anbieter seinen Sitz im Ausland habe. Unseriös seien auch Firmen, die ihre Kunden unter Zeitdruck setzen, die mit „exklusiven Angeboten“ und „Schnäppchen“ werben, oder die dazu auffordern, andere bereits bestehende Anlagen zu kündigen. Anlageprodukte, die der Anbieter nicht erklären kann oder die man selbst nicht versteht, seien ebenfalls tabu. Und die Alarmglocken sollten läuten, wenn die Firma nach Schwarzgeld fragt.

Ist man dennoch auf ein dubioses Angebot hereingefallen, lohnt es sich laut Verbraucherzentrale zu klagen: „Die Firmen lassen lieber einen Fisch von der Angel, als dass sie Ärger bekommen.“ Eine Liste mit den schwarzen Schafen der Branche kann bei der Verbraucherzentrale für fünf Euro bestellt werden (Tel: 030/21485260).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben