Wirtschaft : Millimetergenaue Arbeit

Die Ausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker gibt es erst seit August. Sie stellen etwa Küchenmixer, Stoßstangen oder Operationswerkzeuge her.

Sabine Meuter[dpa]

Alles muss millimetergenau passen. Egal, ob Autos, Haushaltsgeräte oder Landmaschinen – bei der Herstellung von Einzelteilen ist Maßarbeit gefragt. Die Aufgabe von Stanz- und Umformmechanikern ist es, die komplexen Maschinen zu bedienen und zu überwachen, die bei der Produktion im Einsatz sind. Seit August gibt es den neuen Ausbildungsberuf.

Am Anfang steht dabei nur ein Stück Blech. „Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie dieses Teil durch Biegen, Formen und Stanzen verändert werden kann“, sagt Andreas Spengler. Der 28-Jährige ist gelernter Werkzeugmechaniker und arbeitet bei der Firma b.s.u Biebertaler Stanz- und Umformtechnik. Stoßstangen für Autos, Quirle für Küchenmixer oder Operationswerkzeuge für Krankenhausärzte – Fachkräfte wie er produzieren die Einzelteile in Serie.

Dafür programmieren sie zunächst mit Hilfe von technischen Anleitungen Stanz- und Umformanlagen. Dann gibt es meist mehrere Testläufe – die Ergebnisse müssen überprüft und die Maschinen gegebenenfalls neu justiert werden. Dann startet die Produktionsreihe. Dabei überwachen die Fachkräfte bei der Herstellung der Einzelteile den Produktionsprozess. „An manchen Tagen bin ich fast ausschließlich mit Messtätigkeiten beschäftigt“, erzählt Spengler.

Stockt die Produktion, sucht er den Fehler, beseitigt ihn und dokumentiert ihn, um ihn in Zukunft zu vermeiden. Weiter gehört es zu seinen Aufgaben, die Stanzautomaten und Metallpressen zu warten und zu inspizieren. Ist ein Produktionsauftrag erledigt, kennzeichnen die Stanz- und Umformmechaniker sie im System als erledigt. Dann richten sie die Produktionsanlagen für den nächsten Auftrag ein.

„Bislang wurden überwiegend angelernte Arbeitskräfte an den Maschinen eingesetzt“, erklärt Peter Gladisch, Geschäftsführer der GSU-Schulungsgesellschaft für Stanz- und Umformtechnik in Dortmund. Doch weil die Maschinen immer komplexer und die zu fertigenden Einzelteile in den letzten Jahren immer komplizierter werden, gibt es nun einen eigenen Ausbildungsberuf. Die neue Ausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker dauert drei Jahre.

Im Betrieb und in der Berufsschule lernen Azubis zunächst, Bauteile aus Blechen oder Drähten manuell zu bearbeiten. Gleichzeitig beschäftigen sie sich mit den Stanz- und Umformmaschinen. „Die Ausbildungsinhalte sind auf die betrieblichen Abläufe der gesamten Prozesskette ausgerichtet“, erläutert Gladisch. In der Berufsschule geht es zum Beispiel darum, technische Skizzen zu verstehen oder Werkstoffeigenschaften zu beurteilen.

Wer sich für den neuen Ausbildungsberuf interessiert, sollte mindestens einen guten Hauptschulabschluss haben. „Verständnis für technische Zusammenhänge sowie ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Material werden ebenfalls erwartet“, erläutert Petra Jones vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Außerdem sollten Jugendliche sorgfältig und genau arbeiten. Sie gehen mit teuren Materialien um – ein Fehler kann schnell Tausende Euros kosten. Wer vorher schon eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik mit dem Schwerpunkt Umform- und Drahttechnik bestanden hat, kann sich zwei Jahre seiner Ausbildung für den Stanz- und Umformmechaniker anrechnen lassen.

Die Ausbildungsvergütung richtet sich in den tarifgebundenen Betrieben laut Peter Gladisch nach dem Tarifvertrag der IG Metall. Der Metall-Tarifvertrag ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. „In Nordrhein-Westfalen erhalten Azubis im ersten Jahr monatlich rund 848 Euro, im zweiten rund 890 und im dritten rund 950 Euro“, sagt Heike Neumeister, Sprecherin vom IG-Metall-Vorstand in Frankfurt am Main. Die Einstiegsgehälter nach der Ausbildung sind ebenfalls von Land zu Land unterschiedlich. Sie liegen durchschnittlich zwischen 2100 und 2600 Euro brutto im Monat.

Stanz- und Umformmechaniker arbeiten nicht nur in der Autoindustrie. Auch in der Raumfahrt, im Maschinenbau sowie in der Telekommunikationsindustrie sind sie gefragt. Wer eine leitende Position anstrebt, kann eine Weiterbildung zum Meister absolvieren. „Zukunftssorgen müssen sich Stanz- und Umformmechaniker nicht machen“, ist sich Peter Gladisch sicher. Sabine Meuter, dpa

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