Wirtschaft : Millionen Euro-Hefte sind weg

asi/mo

Nur wenige Tage vor der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro mehren sich die logistischen Pannen bei der Bundesbank. Wie der Tagesspiegel erfuhr, haben einige Millionen Werbe-Faltblätter der Bundesbank, die Ende November kostenlos an alle deutschen Haushalte verteilt werden sollten, ihre Adressaten nicht erreicht. Stichproben der Bundesbank in allen Bundesländern, so hieß es am Mittwoch in Frankfurt (Main), hätten ergeben, dass es bundesweit Lücken bei der Auslieferung gab. Bis zu 40 Prozent der insgesamt 40 Millionen verteilten Faltblätter ("Der Euro - Unser Geld") sollen auf dem Weg von der Deutschen Bundesbank in die Briefkästen der Deutschen verloren gegangen sein.

Zum Thema OnlineSpezial: Der Euro kommt
Euro-Countdown: Die Serie im Tagesspiegel
Euro-Memory: Passende Euro-Pärchen finden
Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? In den Faltblättern werden die Euro-Geldscheine und -Münzen abgebildet und deren Sicherungssysteme gegen Fälschung erläutert. Außerdem fasst die Bundesbank in dem Heftchen wichtige Stichdaten zur Euro-Umstellung zusammen. Immer wieder bezeichnete das Haus selbst die Verteilung der Broschüre an die Haushalte als wichtigen Baustein der Informations-Kampagne der Bundesregierung. Bundesbankpräsident Ernst Welteke bezeichnete die Schlappe am Donnerstag als "peinlich" und kündigte an, sich bei dem für die Verteilung der Broschüren beauftragten Unternehmen "schadlos zu halten".

Den Auftrag zur Verteilung hatte - nach einer öffentlichen Ausschreibung - das Unternehmen GMA Gesellschaft für Marketing und Absatzförderung im sächsischen Schkeuditz erhalten. Das Unternehmen GMA mit rund 30 Beschäftigten ist ein Tochterunternehmen des niederländischen Logistik-Konzerns TNT und spezialisiert auf die Zustellung von Post-Sendungen. GMA-Geschäftsführer Rudolf Kuiper bestritt die Kritik der Bundesbank an der mangelhaften Ausführung des Vertrages. "Wir haben alle Faltblätter verteilt und weisen die Vorwürfe zurück", sagte er dieser Zeitung. Er habe die ordnungsgemäße Abwicklung des Auftrages durch "interne und externe Untersuchungen" überprüft.

Kuiper bestätigte Verhandlungen mit der Bundesbank. In den kommenden Tagen sollen die Faltblätter - insgesamt wurden rund 60 Millionen Stück gedruckt - noch einmal verteilt werden. Der GMA-Geschäftsführer gab der Bundesbank selbst die Schuld an der Image-Schlappe. Man habe die Verantwortlichen in Frankfurt vorher darauf hingewiesen, sagte Kuiper, dass es bei einer so genannten "Mitnahme-Verteilung" zu einer wesentlich schlechteren subjektiven Wahrnehmung der Bevölkerung komme. Bei dieser Art der Verteilung waren die Euro-Hefte Subunternehmern der GMA, die Werbeblätter etwa von Lebensmitteldiscountern verteilen, mitgegeben worden. Wahrscheinlich, mutmaßte Kuiper, hätten viele die Euro-Broschüren mit Handelswerbung verwechselt und sofort weggeworfen. Kuiper sagte, er habe der Bundesbank aus Image-Gründen eine Exklusivverteilung der Euro-Faltblätter angeboten. Dies sei jedoch aus Kostengründen abgelehnt worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben