Wirtschaft : Millionen-Fonds soll Innovationen fördern

Bund, Unternehmen und KfW stellen 260 Millionen Euro bereit / Schröder fordert mehr Nachdenken über Chancen statt Risiken

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Berlin Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat einen Gründerfonds angekündigt, der junge Technologiefirmen in den kommenden fünf Jahren mit Risikokapital in Höhe von 260 Millionen Euro versorgen soll. Finanziert wird er von der Bundesregierung, der KfW-Bankengruppe sowie den Unternehmen Siemens, Deutsche Telekom und BASF. Die Förderung soll Mitte des Jahres mit 140 Millionen Euro beginnen, davon kommen allein 120 Millionen Euro vom Bund. Bei der Aufstockung des Betrages erwarte er mehr von den Unternehmen, sagte Schröder, „von mir aus gesehen so viel wie möglich“. Ziel ist es, bis zu 300 Neugründungen zu unterstützen. Schröder appellierte zugleich an die Bundesländer, der Streichung der Eigenheimzulage zuzustimmen, um diese Mittel in Forschung und Entwicklung umzuleiten.

Schröder stellte den Fonds beim fünften „Innovationsgipfel“ am Montag vor. Neben hochrangigen Vertretern von Unternehmen – auch Schering, IBM, die Lufthansa, Bertelsmann und Thyssen-Krupp sind dabei – gehören DGB-Chef Michael Sommer und DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer zu den „Partnern für Innovation“, die Wachstumsfelder ausloten wollen. Die Fonds-Idee stammt aus dem Arbeitskreis „Wagniskapital“, eine von jetzt 15 Untergruppen der Initiative. Bisher herrsche in der frühen Entwicklung eines Unternehmens häufig Kapitalmangel, teilten die „Partner für Innovation“ mit. Nur 27 Millionen Euro seien 2003 in diese so genannte Seed-Finanzierung geflossen.

„Innovation ist leider ein Begriff, der in der Bevölkerung nicht nur positiv besetzt ist“, sagte Schröder in Berlin. In Deutschland drehe sich die Debatte immer um die Minderung von Risiken, weniger um die Ausnutzung der Chancen. „Hier müssen wir eine vernünftigere Balance finden.“ Deutschland solle auch wieder ein führender Pharma-Standort werden. „Wir waren einmal die Apotheke der Welt.“ Deutschland müsse wieder in die Spitzengruppe und sich für naturwissenschaftliche Themen begeistern. Deshalb investiere die Regierung in die Zukunftsaufgaben Bildung, Forschung und Kinderbetreuung. „Das ist die andere Seite der Agenda 2010, durch die die nötigen Ressourcen frei gemacht werden“, sagte er. Alle Begabungen in der Bevölkerung müssten ausgeschöpft werden. Durch Zuwanderung allein seien die Probleme nicht zu lösen. Bis 2010 sollten mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung fließen. Derzeit sind es 2,5 Prozent. Auch die Kinderbetreuung sei hier ein zentrales Thema. „Wir müssen das Potenzial der Frauen erschließen“, sagte Schröder.

Den geringen Anteil von Frauen an der Forschung in Deutschland belegt Axel Werwatz, Leiter des Bereichs Innovation beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin mit Zahlen. Während in Deutschland nur rund zehn Prozent der Beschäftigten in der Forschung Frauen sind (Stand 2001), erreichen sie in den skandinavischen Ländern fast 30 Prozent. Werwatz fordert zudem, dass das Thema Innovation langfristig auf der Tagesordnung bleiben müsse. „Nur kurzfristige Initiativen nützen wenig“, sagte er dem Tagesspiegel. Und: „Dann müssen wir auch Pleiten von Unternehmen hinnehmen. Größere Chancen bergen nun mal auch höhere Risiken.“

Trotz des engen Kontakts mit den Wirtschaftsbossen am Montag gab der Kanzler dem SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering Rückendeckung für dessen Kapitalismus-Kritik. Schröder teile die Einschätzung, dass die Macht des Kapitals auch gesellschaftliche Verantwortung bedeute, so Vize-Regierungssprecher Hans-Hermann Langguth. Müntefering bekräftigte, er sehe die Balance von Staat und Macht gestört. Man dürfe „die Welt nicht dem Geld überlassen“.

CDU-Chefin Angela Merkel setzte sich ebenfalls für Innovation ein. Forschung in Deutschland zehre zu sehr von der Vergangenheit, sagte sie vor 500 jungen Wissenschaftlern, Forschungsförderern und Wissenschaftsmanagern im Reichstagsgebäude in Berlin. In innovativen Forschungsbereichen wie Pharmaforschung, Gentechnik oder Rüstungsforschung drohe ein „Fadenriss“, warnte Merkel beim „Forum Innovation“ der CDU/CSU- Bundestagsfraktion. Die Wissenschaft brauche wieder mehr Freiheit – auch von Vorgaben aus der Politik, „was gute und was schlechte Forschung ist“. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt versicherte, die Wirtschaft werde Lehrer und Schüler aktiv unterstützen. „Die Zukunft unseres Landes ist abhängig von den Talenten und Fähigkeiten der jungen Generation“, sagte er. dr/hop/mod/vis/-ry

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