Wirtschaft : Mindestlohn bei der Post kostet Jobs Bei Privaten fallen 6000 Stellen weg

Berlin - Der Mindestlohn für die Postbranche hat in den vergangenen Monaten zum Abbau von 6000 Stellen geführt. Die Lohnuntergrenze von 8,00 bis 9,80 Euro sei „pures Gift für die Beschäftigten“, sagte Florian Gerster, Präsident des Arbeitgeberverbandes Neue Brief- und Zustelldienste (AGV NBZ), am Dienstag in Berlin. Darin sind die privaten Konkurrenten der Deutschen Post vertreten, etwa TNT, Citipost oder PIN, an der auch die Holtzbrinck-Gruppe beteiligt ist, in der der Tagesspiegel erscheint. Es würden noch mehr Arbeitsplätze wegfallen, warnte Gerster. „Viele Unternehmen bewegen sich zwischen Baum und Borke und versuchen, zu überleben.“ Statt des noch 2007 erhofften Anstiegs auf 60 000 Beschäftigte befürchte die Branche, „dass wir auf die Marke von 40 000 zugehen.“ Dieser Trend ließe sich aber ändern, sobald der Post-Mindestlohn aufgehoben sei, sagte Gerster.

Der Mindestlohn existiert, seit der Bund Ende 2007 die zwischen der Post und der Gewerkschaft Verdi ausgehandelte Untergrenze für allgemeinverbindlich erklärt hatte. Kritiker werfen den Privatfirmen vor, ihr Geschäftsmodell auf Niedriglöhne zu stützen. Gerster wies dies zurück. „Wir wollen kein Lohndumping, sondern motivierte Mitarbeiter.“ Er hoffe darauf, dass die Gerichte den Mindestlohn zu Fall bringen. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte den Mindestlohn für rechtswidrig erklärt, weil er die Existenz der Konkurrenten gefährde. Das Urteil der nächsten Instanz steht noch aus.

Um seine Kritik an der Post zu untermauern, hat der Verband eine Umfrage in Auftrag gegeben. 61 Prozent der 1013 Menschen, die das Institut Goals repräsentativ ausgewählt hat, finden demnach, dass sich der Service der Post verschlechtert hat. 83,4 Prozent wünschten sich mehr Wettbewerb. Und 87,6 Prozent verlangten, die Mehrwertsteuerbefreiung der Post müsse fallen. brö

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