Mindestlohn : Pin AG droht Schließung

Die Post-Konkurrenten Hermes und Pin AG wollen sich wegen der Einführung eines Mindestlohns für Briefzusteller aus dem Geschäft zurückziehen. Das Postmonopol sei "jetzt besser geschützt als vor der Privatisierung", sagte der Springer-Chef Mathias Döpfner.

Pin Demo Foto: ddp
Pin AG: Springer prüft "alle Optionen". -Foto: ddp

BerlinNach der Einigung auf einen Mindestlohn für Briefträger schließt der Axel-Springer-Verlag eine Schließung seiner Post-Tochter Pin nicht mehr aus. Er prüfe alle Optionen von Kooperationen über einen Verkauf bis zur Geschäftsaufgabe, sagte Konzernchef Mathias Döpfner in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Springer hatte erst im Sommer die Mehrheit an Pin übernommen und dafür 510 Millionen Euro gezahlt. Medienberichten zufolge summieren sich die Verluste in diesem Jahr auf 55 Millionen Euro. Wegen des Mindestlohns hat auch der Logistiker Hermes seinen Einstieg ins Briefgeschäft abgeblasen.

Grund eines möglichen Ausstiegs aus dem Briefgeschäft sei vor allem der bevorstehende Mindestlohn. "Die privaten Dienstleister können sich die Lohnsteigerungen von meist mehr als 30 Prozent nicht leisten", sagte Döpfner. Wettbewerb gegen den Ex-Monopolisten Deutsche Post sei unter diesen Umständen nicht möglich. De facto sei das Postmonopol, das eigentlich zum Januar fallen sollte, "jetzt besser geschützt als vor der Privatisierung", sagte der Springer-Chef. Die Pin-Austräger erhalten deutlich weniger als den Mindestlohn, den die Deutsche Post mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelt und die Koalition nun für allgemeinverbindlich erklärt hat. Danach liegt die untere Lohngrenze für Postangestellte zwischen acht Euro und 9,80 Euro.

Verhandlungen zwischen Springer und TNT geraten ins Stocken

Auch Hermes begründete die Absage seines geplanten Einstiegs ins Briefgeschäft mit dem Mindestlohn. Der Paketdienst wollten Privatkunden und kleinen Unternehmen zusammen mit der niederländischen TNT Group den Versand von Briefen anzubieten. Pläne, die 13.500 Hermes-Paketannahmenstellen Anfang kommenden Jahres zu Briefzentren umzubauen, seien eingefroren worden, teilte TNT in Ratingen mit.

Das Nachrichtenamagazin "Focus" hatte am Wochenende zudem berichtet, Verhandlungen zwischen Springer und TNT über eine gemeinsame Strategie gegen die Deutsche Post seien ins Stocken geraten. Die beiden Briefunternehmen wollten sich zusammenschließen, um den Marktführer besser angreifen zu können. Bei den vertraulichen Gesprächen sei sogar über eine Fusion von Pin und TNT gesprochen worden, berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus". Früheren Medienberichten zufolge wollte Springer einen Großteil von Pin an TNT verkaufen. (mist/AFP)

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